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sport abroad – wie gelingt Triathlon-Training in Peking?

Wir Triathleten in Deutschland haben meist ziemlich gute Trainingsbedingungen – ausgebaute Straßen, Felder, Parks oder Wälder zum Laufen und Radeln direkt vor der Haustür und ein Schwimmbad ist meist auch nicht allzu weit weg.
Aber wie sieht das an anderen Orten der Welt aus?
In China zum Beispiel?
Genauer gesagt in Peking. In einer Millionenstadt in einem Milliardenland.
Kann man anderswo der Triathlon-Leidenschaft genauso gut nachkommen wie zuhause?

Sven ist vor einem Jahr beruflich nach Peking gegangen und trat sportlich gesehen ins Ungewisse. Er hatte selbst große Zweifel. Er befürchtete zu Beginn, dass er ohne Trainingsgruppe und Infrastruktur zu einem Partytier mutieren und den Sport vergessen könnte.
Doch dann lernte er Peking von der sportlichen Seite kennen und lieben.

Unter dem Titel „sport abroad“ erhaltet ihr ab sofort ein paar Einblicke, Ausblicke, Überblicke zu Svens Triathlon-Leben in China, seinem Weg zur 70.3 Ironman-WM und seinem Ironman-Debüt in Frankfurt.

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Sven mitten in Peking, mit dem Rad.

Sven, seit wann machst du Triathlon?
2009 und 2010 bin ich jeweils auf der Mitteldistanz in Rapperswil gestartet. Das waren meine ersten und zunächst auch einzigen Rennen. Ich habe in diesen Jahren nur auf diesen einen Wettkampf hintrainiert. Als ich im Ziel war, habe ich eine Dose Bier getrunken, eine Zigarette geraucht und das Training bis ins nächste Jahr an den Nagel gehängt.

Pflegst du immer noch dieses Trainings- und Wettkampfverhalten?
Nein, in den folgenden Jahren habe ich mit Radmarathons und diversen Halbmarathons weiter gemacht, bis ich im Jahr 2013 wieder ausreichend Zeit für das Triathlon-Training fand. Über eine Freundin bin ich auf Spiridon aufmerksam geworden. Zunächst wegen des Schwimmtrainings. Doch schnell habe ich gemerkt, wie viel besser der Sport und das Training in der Gruppe ist. Durch Zufall lernte ich dann noch die Jungs um Florian Joeckel von Guilty76 kennen. Das gemeinsame Schwimmen, Radtraining und Lauftreffs haben meine Form deutlich verbessert – zudem machte es auch noch viel mehr Spaß.

Und als du dich an ein geregeltes Trainingsleben gewöhnt hattest, bist du nach China gezogen…
Genau. Ich habe 2013 zwei Mitteldistanzen ins Ziel gebracht und mich immer weiterentwickelt. In Köln 2014 habe ich in 4:39 Stunden eine persönliche Bestleistung auf der Mitteldistanz aufgestellt, das war schon ein gutes Jahr.
Und dann bin ich 2015 nach Peking gezogen.

Weil du dort arbeitest?
Exakt. Ich arbeite in der Automobilbranche im digitalen Marketing. China ist in vielen Sachen hinten dran, aber in anderen Dingen auch ganz weit vorne. Daher hat es mich gereizt, komplett aus einer gewohnten Umgebung auszubrechen und dieses Abenteuer zu wagen.

Auch in sportlicher Hinsicht hast du deine gewohnte Umgebung verlassen. Hattest du Bedenken, ob du in Peking überhaupt einem Triathlontraining nachkommen kannst?
Ich hatte größten Respekt davor. Ich wusste überhaupt nicht, wie es z.B. mit der Luft sein wird. Der Smog ist das erste, an das Leute denken, wenn sie Peking hören. Und dann ist es eine Großstadt – Radfahren in Berlin war gefühlt schon recht schlecht – wie würde das in einer Stadt mit 20 Millionen Einwohnern sein? Ich war mir nicht sicher, ob ich nicht in der typischen Expat Party-Community aufgehen werde und den Sport fürs erste wieder vergesse.

Nach dem Zielverhalten in Rapperswil zu urteilen, ist es ja etwas, das dir durchaus Spaß bereitet…
Lacht. Natürlich feiere ich auch gerne, aber die Vorstellung, wieder zum Partytier zu mutieren hat mir ein wenig Angst gemacht.
In den ersten zwei Tagen nach meiner Ankunft hatten wir schlechtes Wetter mit mieser Luft. Als ich am dritten Tag aus meinem Zimmer im 31. Stock schaute, konnte ich das erste Mal die Berge am Horizont sehen. Das war ein Boom-Erlebnis.

the first glance on the mountains
der erste Blick auf die Berge im Norden Pekings

Wie ist das mit dem Smog in Peking? Das beeinflusst schon das Training oder?
Ehrlich gesagt ist die Luft besser als erwartet. Wir hatten zu Beginn des Jahres 8 Wochen Sonnenschein mit Luftwerten so gut wie in Stuttgart. Aber natürlich ist die Relation hier anders. Während in Stuttgart bei einem Feinstaubwert (PM2.5) von 50 bereits alle Alarmglocken läuten, trainieren wir hier bis zu einem Wert von ca. 150 noch im Freien. Ab 250 wird es dann unangenehm und der Smog ist deutlich sicht- und riechbar. Da tragen alle Ausländer und viele Chinesen dann die Masken, die man immer auf den Bildern sieht.

Wenn die Werte zu schlecht werden, trainieren wir im Gym oder zu Hause. Ich habe einen Luftfilter, der den Feinstaub in der Wohnung reduziert. Der läuft dann neben mir, wenn ich auf der Rolle sitze.  Aber so Tage muss man nehmen wie Regentage in Deutschland.

Der Feinstaub dringt bis in die Wohnung vor?
Ja, der Wert ist nicht so hoch wie draußen, der Feinstaub kommt aber durch. An sehr schlechten Tagen kann der Wert selbst in der Wohnung bei 150 liegen. Da läuft der Luftfilter dann kontinuierlich.

Wie oft gibt es diese „schlechten“  Tage?
Das ist extrem vom Wind abhängig. Und von der Jahreszeit. Kommt der Wind von Norden, ist die Luft gut. Flacht der Wind ab oder kommt aus dem Süden wo die Fabriken in ca. 200km Entfernung stehen, geht der Wert nach oben. In der Heizperiode ist es schlimmer als im Sommer. Aber ich würde sagen, so im Schnitt ca. 5 Tage im Monat, die beeinträchtigt sind.

Du hast dich in diesem Jahr beim Ironman Subic Bay auf den Philippinen für die 70.3 WM an der Gold Coast qualifiziert und wirst in Frankfurt außerdem dein Debüt auf der  Langdistanz geben.
Die Trainingsbedingungen scheinen zu stimmen…
Peking bietet unerwartet gute Trainingsbedingungen. Ich habe meine Wohnung so gewählt, dass ich in der Nähe eines 50m Indoor-Pools und des größten Parks in der Stadt wohne. Das Highlight sind aber die Berge im Norden von Peking. Nach meinen ersten drei Wochen in Peking bin ich mit dem Peloton – einer Expat Radgruppe – das erste Mal in die Berge gefahren. Mit Vans geht es morgens um 7 raus aus der Stadt. Nach ca. 40 Kilometern hat man den sechsten Autobahnring hinter sich gelassen und es wird ländlich. In der Regel starten die Touren an den Füßen der Berge.

Man fährt dann so auf 800 bis 1100 Meter hoch. Der höchste Berg hier geht bis auf 2000 Meter. Man kann Anstiege fahren, die über 10 Kilometer lang sind. Und wenn man die erste Bergkette hinter sich gelassen hat, dann sieht man nur noch Berge. Bis zum Horizont nichts außer Berge. Diese Berge gehen bis ins Innere der Mongolei. Das ist gigantisch.
Hätte mir das jemand gesagt, ich hätte es nicht geglaubt. Die Australier, Engländer, Mexikaner, mit denen ich hier unterwegs bin, sind alle begeistert von den Trainingsmöglichkeiten. Ich vergleiche die Bedingungen gerne mit Südfrankreich.

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Trainingsbedingungen wie in Südfrankreich…

Wie sind die Straßen?
Die Straßen sind in einem super Zustand. Teilweise besser ausgebaut als in Deutschland.
Es gibt in diesem Land 1,3 Milliarden Menschen. Die müssen beschäftigt sein. Deswegen wird hier gebaut wie blöd. Dazu gehört neben dem Bau von Geisterstädten auch der Ausbau des Straßennetzes.
Durch den geringen Niederschlag kann man die ganze Saison auf der Straße fahren, das macht brutal viel Spaß.

Aber die 40 Kilometer aus der Stadt, bei chinesischem Verkehr. Das stelle ich mir nicht so lustig vor.
Das stimmt. Obwohl es riesige Radwege gibt, ist der Verkehr ab einer gewissen Uhrzeit enorm. Sportliches Radfahren ist dann nicht mehr wirklich möglich. Deshalb beginnen alle Rad-Aktivitäten in Peking sehr früh. Man wird also gezwungenermaßen zum Frühaufsteher hier. Am Wochenende fahren wir zudem meinst mit Vans oder dem Auto bis an die Berge. Unter der Woche habe ich gemeinsam mit Freunden eine morgendliche Radgruppe ‘We Love Early Morning BJ’. Begonnen haben wir zu viert, zwischenzeitlich sind 60 Personen in unserer WeChat Gruppe – das chinesische What’s App, Facebook und Twitter. Wir starten um 5.00h morgens und ballern eine flache 70-km Strecke. Raus aus Beijing geht es noch ohne großen Verkehr. Auf den letzten 10 Kilometern, wieder rein in die Stadt, gibt es dann den typischen Slalom zwischen Autos, Bussen, Elektrorollern und Tuck-Tucks. Zur Belohnung geht es um 7.00h ins Jamaica Blue Café zu Cappuccino und Egg Benedikt oder Banana Loaf – warm mit Butter. Ein guter Start in den Tag.

Mehr Eindrücke vom Triathlon-Training aus China folgen ganz bald!

 

 

 

 

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