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Keine Power im Training? Wenn der Körper nicht ausreichend regeneriert

Wir trainieren mit dem Ziel unsere sportliche Leistungsfähigkeit planmäßig zu entwickeln.
Wer besser werden will, der trainiert strukturiert, optimiert sein Material, ernährt sich bewusst, führt Leistungsdiagnostiken zur Überprüfung seines Leistungsstands durch – er entwickelt sich planmäßig.
Bei dem ein oder anderen kann es aber sein, dass eine Entwicklung ausbleibt oder ständige Verletzungen und Krankheiten dazwischenkommen, die diesen „Plan“ zerstören. Vielleicht fühlt man sich oft sehr müde, regeneriert nicht und wird somit im Trainingsalltag gehemmt.

Für all diejenigen, habe ich mich auf die Suche nach einer Problemlösung gemacht und bin bei Arne Bentin von AB SportLab fündig geworden. Er ist Sportwissenschaftler und Heilpraktiker.

Er hat häufig mit Athleten zu tun, die über Abgeschlagenheit klagen.
Deshalb hat er sich angefangen zu fragen, was einem Körper fehlt, der nicht ausreichend regenerieren kann.

Sportler ziehen durch ihre vermehrte körperliche Aktivität mehr Fett-, Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe z.B. zur Energiegewinnung, Regeneration oder zur Bildung von Hormonen und Neurotransmittern heran. Ein Nährstoffmangel ist daher nicht selten.

Meist wird eine aussagekräftige Labordiagnostik aber erst veranlasst, wenn es dem Sportler schon so schlecht geht, dass er bei seinem Arzt vorstellig wird. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich der Körper aber schon in einem grenzwertigen Funktionszustand. Viele Symptome zeigen sich subjektiv erst nach langer Zeit der systemischen Kompensation.

Arne, wie setzt du bei Sportlern an, die zu dir kommen und über mangelnde Leistungsfähigkeit klagen?

Arne: Jeder Trainer, Wissenschaftler oder Mediziner kennt die Stoffwechselwege der Energiegewinnung. Citratzyklus, Atmungskette, anaerobe Glykolyse… Und jeder der sich ein wenig genauer hiermit beschäftigt, wird erkennen, dass neben den nötigen Energiesubstraten, jede Menge an Co-Faktoren für diese chemischen Vorgänge benötigt werden.

Ohne Substanzen wie Magnesium, Coenzym Q10, Zink und viele B-Vitamine wird die Energiegewinnung und somit die Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Müdigkeit und fehlende Leistungssteigerung trotz strukturierten Trainings können die Folge sein. Mit einem Laborcheck kann man Mineral- und Vitaminanalysen, den Fettsäurestatus, Aminosäurestatus, Nitrosativen und Oxidativen Stress oder die Mitochondrienfunktion testen. Natürlich sollte eine Diagnostik immer individuell zusammengestellt werden.Labor Diagnostik

Von Vitaminmangel haben die meisten schonmal gehört. Aber mit welchem Hintergrund testet man den Fett- und Aminosäurestatus?

Arne: Neben den Kohlenhydraten als Energielieferant sind auch die Fettsäuren und Aminosäuren für den Sportler sehr wichtig.

Aminosäuren sind als Grundbausteine der Eiweiße bekannt. Aber auch zur Kollagensynthese (z.B. Knorpel, Sehnen und Bänder), für das Immunsystem, als Vorstufe für Neurotransmitter (Nervenleitung) oder Hormone haben Aminosäuren sehr viele regulierende Aufgaben. Was für den Sportler insbesondere für alle Bereiche der Regeneration große Bedeutung hat.

Fettsäuren sind neben Energielieferanten vor allem für den Zellaufbau wichtig. Hier hängen viele Zellfunktionen von dem Einbau idealer Fettsäurekombinationen ab. Gerade das richtige Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 Fettsäuren ist auch für den Sportler interessant. Neben gesundheitlichen Nutzen zeigt sich in ersten Untersuchungen eine Herzfrequenz-Senkung in submaximalen Bereichen, eine verbesserte Lungenfunktion oder eine Reduzieren von kleinsten muskulären Entzündungen. In besonderem Maße habe die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA einen stark antientzündlichen Effekt, welche unter sportlicher Belastung sehr positiv wirken kann.

Ein Mangel an bestimmten Fett- und Aminosäuren haben für den Sportler vor allem im Bereich der optimalen Regeneration und für ein gut funktionierendes Immunsystem negative Auswirkungen.

Neben den Mikronährstoffen kann man auch direkt die Mitochondrienaktivität messen. Welchen Aufschluss erhält ein Sportler dadurch?

Arne: In unseren Mitochondrien gewinnen wir unsere aerobe Energie. Arbeiten die Mitochondrien nicht ausreichend oder ist ein Teil von ihnen beschädigt, so fehlt uns die Energiegewinnung dieser „Kraftwerke“. Die Mitochondrienaktivität kann durch chronische Erkrankungen oder bestimme Medikamente beeinträchtigt werden, besonders auchdie Einnahme von Antibiotika scheint sich negativ auf die Mitochondrienaktivität auszuwirken. Man kann also durch verschiedene Testverfahren beurteilen ob dem Körper für all seine Funktionen, auch den muskulären Energiestoffwechsel, genug Energie in Form von ATP zur Verfügung steht.

Wie handelst du, wenn durch eine Diagnostik ein Mikronährstoffmangel aufgedeckt wird oder sich eine niedrige Mitochondrienaktivität herauskristallisiert?

Arne: Man fängt dann an die fehlenden Mikronährstoffe, also z.B. Mineralstoffe, Vitamine, Fettsäuren, Aminosäuren zu supplementieren. Hierfür gibt es aus klinischen Untersuchungen und Erfahrungsberichten ideale Zusammensetzung um bestimmte Bereiche optimal zu unterstützen. Neben der Substitution von Mikronährstoffen sollte natürlich auch über die Ernährung als Grundlage alle Versorgung gesprochen werden. Dies ist ein sehr wichtiger Punkt, wobei ich inzwischen glaube, dass wir einen richtigen Mangel oder eine Mitochondriendysfunktion nicht allein über die Ernährung ausgleichen können. Hierfür habe die allermeisten Lebensmittel eine nicht mehr ausreichende Nährstoffdichte.

Kannst du das an einem Beispiel nochmal genauer erklären?

Arne: Eine ambitionierte Läuferin, 30 Jahre, war seit 2 Jahren geplagt von häufigen Infekten, zunehmender Müdigkeit -auch im Alltag. Sie konnte sich nicht mehr ausbelasten.

Die wichtigsten Infos aus der Analyse ergaben einen Mangel an Vitamin B-12, Coenzym Q10, Selen, Zink, Glutamin, Arginin und auffällige LDH-Isoenzyme 4+5 (Marker für mitochondriale Probleme). Zudem zeigten sich deutlich erhöhte Entzündungsmarker der Darmschleimhaut und ein Ungleichgewicht der Bakterienflora.

Therapeutisch substituierten wir die Mängel und die Sportlerin nahm ein Probiotikum für die Darmflora. Die kommenden 3-4 Wochen sollte sie das Training reduzieren, um die mitochondriale Regeneration zu unterstützen.

Nach 5 Wochen Nahrungsergänzung und teilweiser Ernährungsanpassung (z.B. zeitweise Nahrungsrestriktion welche zur Mitochondrienneubildung führt) fühlte sich die Sportlerin deutlich vitaler und belastbarer. Auffällig waren auch weniger Hungerattacken auf Süßes. Bis sich die Bakterien im Darm ansiedeln und ein Gleichgewicht wieder herstellen dauert es schon 2-3 Monate. Hier kamen wir leider in die Winterzeit, wo sich dann einige Infekte zeigten, diese aber deutlich „harmloser“ und weniger belastend verliefen. Der Allgemeinzustand normalisierte sich weiterhin.

Danke für deine Zeit und das Interview!

Informationen zu den Diagnostiken findet ihr hier.

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