Motivation Triathlon Wettkampf

Der Konkurrenz einen Handgriff voraus – der Organisations-Fahrplan für Triathleten

Ich packe meinen Koffer und nehme mit…

Klagenfurt, Frankfurt, Roth, Hamburg, Köln, Rügen, Zell am See – die Mittel- und Langdistanzsaison ist in vollem Gange und die nächsten Highlights stehen vor der Tür.
Hat man in die Vorbereitung so viel Zeit, Muße, Schweiß, Entbehrung und Geld gesteckt, möchte man am Tag X endlich abliefern und zeigen was man drauf hat.

Der Wettkampf fängt aber nicht erst mit dem Startschuss an, sondern schon in den Tagen davor – mit der richtigen Vorbereitung!
Und die ist bei drei Disziplinen, zwei Wechselzonen und einem großen Haufen aufgeregter Triathleten gar nicht so einfach.

Damit ihr der Konkurrenz einen Handgriff voraus seid, kommt hier mein ausführlicher organisatorischer Fahrplan mit Do’s and Don’ts unmittelbar vor dem Rennen. Für Anfänger, Profis und alle Detailverliebten!

Pre-Race: Startunterlagen abholen und einchecken

  • Startunterlagen abholen
    Nicht vergessen: Personalausweis, die Meldebestätigung zum jeweiligen Rennen, einen DTU-Startpass oder alternativ eine erworbene Tageslizenz
    Mein Tipp: Die Startunterlagenausgabe ist meist kombiniert mit der Wettkampfbesprechung und findet in der Nähe der Messe statt. Auch wenn es verlockend ist über die Messe zu schlendern: lauft nicht mehr, als nötig! Haltet euch im Schatten auf und setzt euch hin, wann immer es geht. Trinkt viel und füllt eure Speicher den gesamten Tag über schon auf
  • Wechselbeutel packen
    Nicht vergessen: Das Lauf- und Radequipment in die vorgesehenen Tüten und bloß nicht vertauschen, sonst müsst ihr später mit den Radschuhen laufen 😉
    das gehört in den Wechselbeutel:
    1. WZ: Radhelm, Radschuhe, Brille, Startnummer (sofern nicht am Rad),
    2. WZ: Laufschuhe, Socken, Brille (falls Aerohelm), Gel
    Mein Tipp: die Wechselbeutel vor der Abgabe gut zuknoten, damit nachts kein Wasser reinläuft. Am Renntag zumindest in der ersten Wechselzone nochmal zum Beutel-Ständer gehen und den Knoten lösen. Im gleichen Zug solltet ihr euch auch den Laufweg zum Fahrrad anschauen, die Reihe und Startnummer gut einprägen. Haltet es wie beim Schwimmen und nehmt bei sehr großen Wechselzonen zur Not Landmarken, um euch zu orientieren.
    Special needs: Wer auf Eigenverpflegung auf der Rad- und Laufstrecke zurückgreifen möchte, muss sich noch um die Special-needs Beutel kümmern. Die werden meist am Wettkampfmorgen ausgeteilt. Erkundigt euch dafür beim Veranstalter.
  • Rad zum Check-In fertig machen
    Nicht vergessen: Habt ihr genügend Trinkhalter bei heißen Rennen angebracht? Sind diese gut befestigt für holprige Passagen? Ist das Werkzeug und Pannenmaterial vollständig? Habt ihr ggf. Aufsatz für Katusche und Ventilverlängerung dabei?
  • Einchecken
    Mein Tipp: Wenn das Rad über den Nachmittag und über Nacht in der Wechselzone hängt, dann lasst etwas Luft aus den Reifen. An heißen Tagen kann sich der Reifen sonst noch ausdehnen und ihr habt am Rennmorgen vielleicht einen geplatzten Schlauch. Pumpt die Reifen lieber am Rennmorgen auf und macht bei heißen Rennen auch nicht zu viel Luft rein. Zu den warmen Temperaturen kommt die Reibung durchs Fahren. Reibung erzeugt Wärme und bei Wärme dehnt sich der Reifen aus: weniger ist also mehr, 7 bar können bei heißen Temperaturen schon ausreichend sein.
    Befestigt eure Trinkflaschen erst am Morgen des Rennens am Rad!
    neue Regel bei IM-Rennen: seit 2017 müssen alle Gegenstände aus dem Wechselbeutel im Wechselzelt angezogen/angelegt werden. D.h. der Aeroeinteiler muss nach dem Schwimmen vollständig im Zelt angezogen und verschlossen werden (und darf nicht mehr auf dem Weg zum Rad fertig angezogen werden) und auch Radschuhe müssen entweder im Zelt angezogen werden oder am Rad befestigt sein. Nicht mehr erlaubt ist: mit den Schuhen in der Hand aus dem Zelt zum Rad zu rennen und diese dort anzuziehen.
    Ihr müsst euch also im Vorfeld überlegen: Zieht ihr die Schuhe im Wechselzelt an und lauft damit durch die komplette Wechselzone oder befestigt ihr sie schon am Rad. Wenn ihr Sie am Rad befestigt, macht das erst am Rennmorgen! Gleiches gilt für den Helm: entweder im Wechselzelt anziehen oder am Fahrrad – nicht auf dem Weg.
Wer keine Gels auf dem Rad verträgt ist vielleicht mit dieser Variante gut aufgehoben?!
Wer keine Gels auf dem Rad verträgt ist vielleicht mit dieser Variante gut beraten?! 😉
  • Carboloading
    Das Carboloading am Besten über den gesamten Tag verteilen und neben all dem Essen das Trinken nicht vergessen!
    Mein Tipp: nehmt überall, wo ihr noch hingeht eine Flasche Wasser mit in die Hand, dann seid ihr ständig daran erinnert

 Vorabendbeschäftigung
Restliches Wettkampfequipment bereitlegen

  • Trinkflaschen vorbereiten
  • Gels, Salztabletten rauslegen
  • Schwimmbrille für verschiedene Bedingungen einpacken (grelles Sonnenlicht vs. Morgengrauen)
  • Einteiler
  • Swimsuit oder Neoprenanzug
  • Chipband
  • Geladene Uhren, Tachos, elektronische Schaltung
  • Toilettenpapier einpacken
  • Einweg-Badeschlappen
  • Vaseline/Creme gegen Wundscheuern
  • eincremen
    Mythos oder Geheimtipp? bei allen heißen Rennen kann man die Sonnencreme schon am Vorabend auftragen (nach dem Duschen), damit sie über Nacht einziehen kann. Am nächsten Morgen kommt dann nochmal eine Schicht drauf.
    Nicht vergessen: falls es in den Wechselzonen Sonnencreme gibt, solltet ihr sie dankend annehmen. Ein Sonnenbrand kostet den Körper während des Rennens nur unnötig Energie, die ihr besser anders gebrauchen könnt
  • früh ins Bett
    auch wenn ihr noch nicht schlafen könnt, solltet ihr euch früh ins Bett legen. Der Körper kann im Liegen einfach gut entspannen und ihr fahrt auch langsam runter. Allgemein bekannt ist ja, dass nicht die letzte Nacht vor dem Rennen, sondern die Vorletzte wichtig ist! Also Hauptsache dort gut schlafen.

 

Am Rennmorgen

  • Pünktlicher Aufbruch zur Wechselzone
    Nicht vergessen: alle gepackten Sachen, eure Nervosität und Vorfreude
    Mein Tipp: rechnet mit Verzögerungen aufgrund von Straßensperrungen, überfüllten Shuttlebussen und verstopften See-Zufahrten
  • Checken der Wechselzone
    Nicht vergessen: Habt ihr die Reifen aufgepumpt? Die Radflaschen angebracht? Alle Gels rüttelsicher verstaut? Den Tacho angeschaltet?
    Mein Tipp:  Nochmal zum Beutel-Ständer gehen, den Knoten vom Vortag aus dem Wechselbeutel machen und „entknotet“ hinhängen, anschließend den Laufweg bis zum eigenen Fahrrad einprägen

20 minutes until the gun

  • Letztes Gel ca. 20 Minuten vor dem Rennen nehmen
  • Mit Vaseline/Cremes den Hals am Neoprenabschluss gegen Wundscheuern eincremen (und alle anderen empfindlichen Stellen, die während des Wettkampfs aufgerieben werden können)
    Mein Tipp: um leichter aus dem Neo zu kommen, könnt ihr auch die Bein-Enden mit ein bisschen Vaseline einschmieren, das flutscht später besser 😉
  • Neo anziehen
    Mein Tipp: gerade bei Rollingstarts müsst ihr den Neo nicht schon eine halbe Stunde vorher komplett hochziehen. Macht es je nach Wetter abhängig und schlüpft bei warmen Temperaturen erst möglichst spät in die zweite Haut. Sollte es sehr kalt sein noch ein kleiner Trick: schüttet euch eine Flasche warmes Wasser vorm Start in den Neo, das hält warm!

After Race

Alles für die Regeneration

  • Duschsachen
  • Bequeme Kleidung in den After-Race-Beutel packen
  • Ein Proteindrink und Kohlenhydrate direkt nach dem Rennen beschleunigen die Regeneration
  • FREUEN UND GENIEßEN

 

Zusammengefasst hier nochmal eine Checkliste:

  • Personalausweis
  • Startpass
  • Einteiler
  • Swimsuit oder Neoprenanzug
  • Schwimmbrille
  • Vaseline
  • Einweg-Badelatschen
  • Startnummernband
  • Chipband
  • Trinkflaschen
  • Gels
  • Salz(tabletten)
  • Uhr
  • Toilettenpapier
  • Fahrrad
  • Fahrradschuhe
  • Gummis zum Befestigen der Radschuhe
  • Helm
  • Sonnenbrille
  • Pannenmaterial: Ersatzschlauch, Pumpe oder Katusche oder Pannenmilch, Ventilverlängerung, Reifenheber
  • Sonnencreme
  • Laufschuhe
  • Socken
  • After-Race Klamotten
  • Handtuch
  • Regenerationsdrink

Zu guter Letzt solltet ihr euch darüber hinaus nicht selbst vergessen!
Habt einen wunderbaren Wettkampf, verschiebt eure Grenzen und genießt den Tag!

 

Ernährung Motivation SpreadSport Training Wettkampf

1. Darmstädter Beer Mile nach Premiere jetzt schon Kult

Man nehme eine Aschebahn, acht Kästen Braustübl und ein Dutzend unerschrockener Leistungssportler und erhalte ganz großen Sport.
Was sich gestern Abend im Bürgerpark abspielte, wird noch in Jahrzehnten für Gesprächsstoff und Furore sorgen. Denn dort trafen sich zum ersten Mal die härtesten Beer-Miler aus Frankfurt und Darmstadt.

Es galt den König der Disziplinen Laufen&Saufen zu krönen. Was sich zunächst plakativ anhört, ist in Wirklichkeit harter Leistungssport. (mehr …)

Ernährung Interviews SpreadSport Training Triathlon Wettkampf

Keine Power im Training? Wenn der Körper nicht ausreichend regeneriert

Wir trainieren mit dem Ziel unsere sportliche Leistungsfähigkeit planmäßig zu entwickeln.
Wer besser werden will, der trainiert strukturiert, optimiert sein Material, ernährt sich bewusst, führt Leistungsdiagnostiken zur Überprüfung seines Leistungsstands durch – er entwickelt sich planmäßig.
Bei dem ein oder anderen kann es aber sein, dass eine Entwicklung ausbleibt oder ständige Verletzungen und Krankheiten dazwischenkommen, die diesen „Plan“ zerstören. Vielleicht fühlt man sich oft sehr müde, regeneriert nicht und wird somit im Trainingsalltag gehemmt.

Für all diejenigen, habe ich mich auf die Suche nach einer Problemlösung gemacht und bin bei Arne Bentin von AB SportLab fündig geworden. Er ist Sportwissenschaftler und Heilpraktiker. (mehr …)

Interviews Motivation SpreadSport Training Wettkampf

„Wenn du großartiges vollbringen willst, musst du Grenzen durchbrechen!“

Vor einem Jahr lernten sich Faris Al-Sultan und Patrick Lange im Trainingslager auf Lanzarote kennen. Sie trainierten zusammen, verstanden sich gut und blieben in Kontakt. Al-Sultans Karriereende im Mai 2015 und Langes Plan, 2016 auf die Langdistanz zu wechseln, mündeten in einer Zusammenarbeit. (mehr …)

Motivation SpreadSport Training Triathlon Wettkampf

Wozu Kompressionsbekleidung im Sport?

Trailrunning with sleeves Bauerfeind
Trailrunning am Starnberger See – unterstützt von Produktplatzierungen 😉

Das vergangene Wochenende war drückend – für unsere Beine 😉
es stand ganz im Zeichen der Kompression.
Mit Bauerfeind und der Profilwerkstatt verbrachten wir zwei Tage sportelnd am Starnberger See, um die neue Sportlinie von Bauerfeind zu testen.
Neben Bandagen und Einlagen, liegt der Fokus der neuen Produkte auf Kompressionsbekleidung.

Für Oberschenkel- und Unterschenkel gibt es Sleeves in einem starken Kompressionsgrad. Für Reisen z.B. gibt es Kompressionssocken im schwächeren Grad 1.
Das Tragegefühl war erste Sahne. Durch den elastischen und doch komprimierenden Strickfaden fühlte man sich unterstützt, aber nicht erdrückt. Da macht sich wohl die jahrelange Erfahrung von Bauerfeind im medizinischen Hilfsmittelbereich bemerkbar 😉
Doch Tragekomfort hin oder her.
Mir stellte sich zu allererst die Frage: Wozu eigentlich Kompression? Bringt es überhaupt was und wenn ja, was?
Deshalb habe ich einige Studien gelesen und mir folgendes Bild machen können:

Kein Effekt auf Lauf-Leistung…
Die schlechten Nachrichten zuerst. Kompressionskleidung hat keine bedeutenden Effekte auf die Lauf-Leistung (weder für Halb-Marathon, 15-km Trailrunning, 5- und 10-km Lauf noch für den 400-m Sprint). Sie hat auch keinen bedeutenden Effekt auf die maximale Sauerstoffaufnahme, die Laktat-Konzentration im Blut, kardiologische Parameter (Herzfrequenz, Schlagvolumen…) oder die Körpertemperatur.

…aber großen Effekt auf Muskelkater…
Allerdings, und hier fangen die guten Nachrichten an, wurden geringe positive Effekte bei folgenden Parametern gemessen: Zeit bis zur Ermüdung, Laktatabbau und Laufökonomie, sowie eine geringere  spürbare Anstrengung. Und auch die Parameter der Muskelbeschädigung und Entzündung wurden als gering positiv eingestuft.
Und jetzt, Lauscher aufsperren:
das Tragen von Kompressionskleidung hat einen großen positiven Effekt auf Muskelkater und Schmerzhaftigkeit in den Beinen nach der Belastung.

…und hervorragend fürs Reisen
Auch bei langen Flugreisen oder Autofahrten sind Kompressionssocken nützlich. Durch das Sitzen wird die Vena poplitea in der Kniekehle abgeknickt. Dadurch entstehen Abflussbehinderungen. Das Blut staut sich und die Gefahr für die Ausbildung eines Thrombus (Blutgerinnsel in einem Blutgefäß) ist erhöht.
Kompressionssocken erhöhen den äußeren Druck und somit die Fließgeschwindigkeit des Blutes. Auch der venöse Rückstrom zum Herzen wird erleichtert. Unsere Beine werden besser versorgt.
Dadurch schwellen sie ab (bzw. nicht so stark an), weil die Gewebeflüssigkeit verstärkt in die Venen aufgenommen wird und besser abfließen kann.

Das wissen auch die meisten Leistungssportler. Deswegen trifft man kaum noch jemanden an, der ohne Kompression ins Flugzeug steigt oder sich auf lange Autofahrten begibt.

Das Fazit lautet:
Durch Kompression erreichen wir eine leicht herausgezögerte Ermüdung, einen etwas besseren Laktatabbau, sowie eine leicht verbesserte Laufökonomie und eine spürbar geringere Anstrengung – das sind die leicht positiven Effekte.
Weniger Muskelkater und schmerzende Beine nach der Belastung sind die deutlich spürbaren Effekte.
Zur Thrombose-Vorbeugung und für weniger geschwollene Beine bei langen Reisen sind die Socken vor allem zu empfehlen.

Wer Lust auf Bauerfeind hat, der kann sich hier informieren!

Ich packe jetzt langsam meine Koffer für Texas. Am Samstag steige ich in den Flieger – natürlich mit Kompression 😉
Wir hören uns!
 

 

 

 

Interviews Motivation Reisen SpreadSport Training Wettkampf

sport abroad – wie gelingt Triathlon-Training in Peking?

Wir Triathleten in Deutschland haben meist ziemlich gute Trainingsbedingungen – ausgebaute Straßen, Felder, Parks oder Wälder zum Laufen und Radeln direkt vor der Haustür und ein Schwimmbad ist meist auch nicht allzu weit weg.
Aber wie sieht das an anderen Orten der Welt aus?
In China zum Beispiel?
Genauer gesagt in Peking. In einer Millionenstadt in einem Milliardenland.
Kann man anderswo der Triathlon-Leidenschaft genauso gut nachkommen wie zuhause?

Sven ist vor einem Jahr beruflich nach Peking gegangen und trat sportlich gesehen ins Ungewisse. Er hatte selbst große Zweifel. Er befürchtete zu Beginn, dass er ohne Trainingsgruppe und Infrastruktur zu einem Partytier mutieren und den Sport vergessen könnte.
Doch dann lernte er Peking von der sportlichen Seite kennen und lieben.

Unter dem Titel „sport abroad“ erhaltet ihr ab sofort ein paar Einblicke, Ausblicke, Überblicke zu Svens Triathlon-Leben in China, seinem Weg zur 70.3 Ironman-WM und seinem Ironman-Debüt in Frankfurt.

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Sven mitten in Peking, mit dem Rad.

Sven, seit wann machst du Triathlon?
2009 und 2010 bin ich jeweils auf der Mitteldistanz in Rapperswil gestartet. Das waren meine ersten und zunächst auch einzigen Rennen. Ich habe in diesen Jahren nur auf diesen einen Wettkampf hintrainiert. Als ich im Ziel war, habe ich eine Dose Bier getrunken, eine Zigarette geraucht und das Training bis ins nächste Jahr an den Nagel gehängt.

Pflegst du immer noch dieses Trainings- und Wettkampfverhalten?
Nein, in den folgenden Jahren habe ich mit Radmarathons und diversen Halbmarathons weiter gemacht, bis ich im Jahr 2013 wieder ausreichend Zeit für das Triathlon-Training fand. Über eine Freundin bin ich auf Spiridon aufmerksam geworden. Zunächst wegen des Schwimmtrainings. Doch schnell habe ich gemerkt, wie viel besser der Sport und das Training in der Gruppe ist. Durch Zufall lernte ich dann noch die Jungs um Florian Joeckel von Guilty76 kennen. Das gemeinsame Schwimmen, Radtraining und Lauftreffs haben meine Form deutlich verbessert – zudem machte es auch noch viel mehr Spaß.

Und als du dich an ein geregeltes Trainingsleben gewöhnt hattest, bist du nach China gezogen…
Genau. Ich habe 2013 zwei Mitteldistanzen ins Ziel gebracht und mich immer weiterentwickelt. In Köln 2014 habe ich in 4:39 Stunden eine persönliche Bestleistung auf der Mitteldistanz aufgestellt, das war schon ein gutes Jahr.
Und dann bin ich 2015 nach Peking gezogen.

Weil du dort arbeitest?
Exakt. Ich arbeite in der Automobilbranche im digitalen Marketing. China ist in vielen Sachen hinten dran, aber in anderen Dingen auch ganz weit vorne. Daher hat es mich gereizt, komplett aus einer gewohnten Umgebung auszubrechen und dieses Abenteuer zu wagen.

Auch in sportlicher Hinsicht hast du deine gewohnte Umgebung verlassen. Hattest du Bedenken, ob du in Peking überhaupt einem Triathlontraining nachkommen kannst?
Ich hatte größten Respekt davor. Ich wusste überhaupt nicht, wie es z.B. mit der Luft sein wird. Der Smog ist das erste, an das Leute denken, wenn sie Peking hören. Und dann ist es eine Großstadt – Radfahren in Berlin war gefühlt schon recht schlecht – wie würde das in einer Stadt mit 20 Millionen Einwohnern sein? Ich war mir nicht sicher, ob ich nicht in der typischen Expat Party-Community aufgehen werde und den Sport fürs erste wieder vergesse.

Nach dem Zielverhalten in Rapperswil zu urteilen, ist es ja etwas, das dir durchaus Spaß bereitet…
Lacht. Natürlich feiere ich auch gerne, aber die Vorstellung, wieder zum Partytier zu mutieren hat mir ein wenig Angst gemacht.
In den ersten zwei Tagen nach meiner Ankunft hatten wir schlechtes Wetter mit mieser Luft. Als ich am dritten Tag aus meinem Zimmer im 31. Stock schaute, konnte ich das erste Mal die Berge am Horizont sehen. Das war ein Boom-Erlebnis.

the first glance on the mountains
der erste Blick auf die Berge im Norden Pekings

Wie ist das mit dem Smog in Peking? Das beeinflusst schon das Training oder?
Ehrlich gesagt ist die Luft besser als erwartet. Wir hatten zu Beginn des Jahres 8 Wochen Sonnenschein mit Luftwerten so gut wie in Stuttgart. Aber natürlich ist die Relation hier anders. Während in Stuttgart bei einem Feinstaubwert (PM2.5) von 50 bereits alle Alarmglocken läuten, trainieren wir hier bis zu einem Wert von ca. 150 noch im Freien. Ab 250 wird es dann unangenehm und der Smog ist deutlich sicht- und riechbar. Da tragen alle Ausländer und viele Chinesen dann die Masken, die man immer auf den Bildern sieht.

Wenn die Werte zu schlecht werden, trainieren wir im Gym oder zu Hause. Ich habe einen Luftfilter, der den Feinstaub in der Wohnung reduziert. Der läuft dann neben mir, wenn ich auf der Rolle sitze.  Aber so Tage muss man nehmen wie Regentage in Deutschland.

Der Feinstaub dringt bis in die Wohnung vor?
Ja, der Wert ist nicht so hoch wie draußen, der Feinstaub kommt aber durch. An sehr schlechten Tagen kann der Wert selbst in der Wohnung bei 150 liegen. Da läuft der Luftfilter dann kontinuierlich.

Wie oft gibt es diese „schlechten“  Tage?
Das ist extrem vom Wind abhängig. Und von der Jahreszeit. Kommt der Wind von Norden, ist die Luft gut. Flacht der Wind ab oder kommt aus dem Süden wo die Fabriken in ca. 200km Entfernung stehen, geht der Wert nach oben. In der Heizperiode ist es schlimmer als im Sommer. Aber ich würde sagen, so im Schnitt ca. 5 Tage im Monat, die beeinträchtigt sind.

Du hast dich in diesem Jahr beim Ironman Subic Bay auf den Philippinen für die 70.3 WM an der Gold Coast qualifiziert und wirst in Frankfurt außerdem dein Debüt auf der  Langdistanz geben.
Die Trainingsbedingungen scheinen zu stimmen…
Peking bietet unerwartet gute Trainingsbedingungen. Ich habe meine Wohnung so gewählt, dass ich in der Nähe eines 50m Indoor-Pools und des größten Parks in der Stadt wohne. Das Highlight sind aber die Berge im Norden von Peking. Nach meinen ersten drei Wochen in Peking bin ich mit dem Peloton – einer Expat Radgruppe – das erste Mal in die Berge gefahren. Mit Vans geht es morgens um 7 raus aus der Stadt. Nach ca. 40 Kilometern hat man den sechsten Autobahnring hinter sich gelassen und es wird ländlich. In der Regel starten die Touren an den Füßen der Berge.

Man fährt dann so auf 800 bis 1100 Meter hoch. Der höchste Berg hier geht bis auf 2000 Meter. Man kann Anstiege fahren, die über 10 Kilometer lang sind. Und wenn man die erste Bergkette hinter sich gelassen hat, dann sieht man nur noch Berge. Bis zum Horizont nichts außer Berge. Diese Berge gehen bis ins Innere der Mongolei. Das ist gigantisch.
Hätte mir das jemand gesagt, ich hätte es nicht geglaubt. Die Australier, Engländer, Mexikaner, mit denen ich hier unterwegs bin, sind alle begeistert von den Trainingsmöglichkeiten. Ich vergleiche die Bedingungen gerne mit Südfrankreich.

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Trainingsbedingungen wie in Südfrankreich…

Wie sind die Straßen?
Die Straßen sind in einem super Zustand. Teilweise besser ausgebaut als in Deutschland.
Es gibt in diesem Land 1,3 Milliarden Menschen. Die müssen beschäftigt sein. Deswegen wird hier gebaut wie blöd. Dazu gehört neben dem Bau von Geisterstädten auch der Ausbau des Straßennetzes.
Durch den geringen Niederschlag kann man die ganze Saison auf der Straße fahren, das macht brutal viel Spaß.

Aber die 40 Kilometer aus der Stadt, bei chinesischem Verkehr. Das stelle ich mir nicht so lustig vor.
Das stimmt. Obwohl es riesige Radwege gibt, ist der Verkehr ab einer gewissen Uhrzeit enorm. Sportliches Radfahren ist dann nicht mehr wirklich möglich. Deshalb beginnen alle Rad-Aktivitäten in Peking sehr früh. Man wird also gezwungenermaßen zum Frühaufsteher hier. Am Wochenende fahren wir zudem meinst mit Vans oder dem Auto bis an die Berge. Unter der Woche habe ich gemeinsam mit Freunden eine morgendliche Radgruppe ‘We Love Early Morning BJ’. Begonnen haben wir zu viert, zwischenzeitlich sind 60 Personen in unserer WeChat Gruppe – das chinesische What’s App, Facebook und Twitter. Wir starten um 5.00h morgens und ballern eine flache 70-km Strecke. Raus aus Beijing geht es noch ohne großen Verkehr. Auf den letzten 10 Kilometern, wieder rein in die Stadt, gibt es dann den typischen Slalom zwischen Autos, Bussen, Elektrorollern und Tuck-Tucks. Zur Belohnung geht es um 7.00h ins Jamaica Blue Café zu Cappuccino und Egg Benedikt oder Banana Loaf – warm mit Butter. Ein guter Start in den Tag.

Mehr Eindrücke vom Triathlon-Training aus China folgen ganz bald!

 

 

 

 

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Hobby oder Hamsterrad?

Triathlon ist prädestiniert dazu, eine Sportart für Vergleiche zu sein. Es gibt sie schließlich überall. Die Wettkämpfe und Laufserien und Jedermann-Triathlons.

Dabei gilt beim Jedermann-Wettkampf aber längst nicht mehr das Motto  „Dabei sein ist alles!“. Nein, man muss den Jedermann-Wettkampf gewinnen, zumindest in seiner Altersklasse, weil man ja ein besonders toller Jedermann sein will. Denn wenn man Triathlon „nur zum Spaß“ machen würde, könnte man ja auch gleich zum Nordic Walking übergehen.

Ich freue mich immer, wenn ich Athleten kennenlerne, die realistisch sind.
Letztens habe ich bei einer Diagnostik eine Frau gefragt, was sie dieses Jahr für Ziele hat. Ich habe sie gefragt ob sie eine Langdistanz machen will.
Darauf guckte sie mich an und lachte. Sie sagte: „Nein, ich mache eine Halbdistanz. Mehr nicht. Und mehr werde ich auch niemals machen. Das ist mit meinem Leben nicht vereinbar. Ich habe einen Vollzeitjob, einen Mann und zwei Kinder. Da muss ich schon realistisch bleiben. Was bringt es mir, wenn ich mich bei einer Langdistanz nach 15 Stunden über die Ziellinie schleppe?“

Das fand ich eine tolle, ehrliche und realistische Antwort. Und ich habe mir gewünscht, dass es mehr von diesen mutigen Triathleten gibt.
Mutig, weil sie ihre Grenzen sehen und realistisch denken.
Weil man mit einer zeitlichen Verfügbarkeit von 6 Stunden die Woche eben vielleicht nochmal überlegen sollte, ob die angestrebte Langdistanz wirklich sein muss.
Das ist eine Gradwanderung zwischen Ehrgeiz, „ich-schaffe-alles-wenn-ich-es-nur-will“ und Verantwortungslosigkeit.
Euer Körper jubelt euch bei solchen Zielen mit Sicherheit nicht zu.

Ganz zu schweigen von Menschen aus der Chefetage, mit der Motivation zum Triathlon „weil es sich in der Vita gut macht, mal einen Ironman zu finishen, da es ja Durchhaltevermögen zeigt“.
Da rollen sich mir die Fußnägel nach oben!

Wir alle haben uns diesem Sport verschrieben, weil er uns begeistert hat und Spaß gemacht hat. Ganz am Anfang… da hat es ausschließlich Spaß gemacht. Als dann dieses Ding mit der Selbstwirksamkeit dazu kam (man sieht, dass man sich mit Training verbessert), da kam zu diesem Spaß noch der Ehrgeiz. Und als man Lob und Zuspruch von außen bekam, nach dem ersten Wettkampf (den man mal gemacht hab um zu gucken, ob man sowas Witziges wie Triathlon eigentlich schafft), da hat man schon einen ersten Fuß in den Hamsterkäfig gesetzt.

Hin und wieder sollte man mal überlegen, ob man in diesem Rad mal gelaufen ist, es immer noch tut und vielleicht lieber aussteigt. Einfach mal ein bisschen reflektieren.

Sicher ist: die Menschheit von heute bewegt sich zu wenig. Volkskrankheiten entstehen, weil dieser sedentäre Lebensstil nicht für den Menschen geschaffen ist.
Sicher ist auch, dass es deshalb gut ist, ein bewegtes Leben zu führen und Sport zu machen!

Aber bewegen kann man sich auch, wenn man mit dem Rad zur Arbeit fährt. Wenn man einen langen Spaziergang im Wald macht. Wenn man mit den Kindern um die Wette rennt und im Sommer im Badesee schwimmt.

Bewegen kann man sich auch, in dem man Triathlon macht.
Aber bitte seid dabei doch glücklich und macht euer Hobby nicht zum Zwang.

Setzt euch doch nicht einfach eine Langdistanz zum Ziel, der Langdistanz wegen. Oder einen Marathon, des Marathons wegen. Setzt euch Sport zum Ziel, der Bewegung wegen!

Und wenn ihr es liebt, lange Rad zu fahren oder lange zu laufen oder lange zu schwimmen. Dann macht das! Und wenn ihr es liebt, das in einem Wettkampf zu machen, weil man sich dann mal so richtig verausgaben kann! Dann tut es!
Dann hält euch niemand davon ab!
Ich liebe es auch!

Aber an manchen Tagen liebe ich es auch nicht oder habe keine Lust! Und dann habe ich keine Lust! Und dann fällt das Training aus! Weil: ich habe ja keine Lust.
Nehmt den Sport nicht so ernst.
Nehmt ihn schon ernst, wenn er euch etwas bedeutet, aber nehmt ihn nicht sooo ernst.
Und wenn ihr gerne Sport macht, aber eigentlich gar keine Wettkämpfe machen wollt, dann macht doch Sport, weil ihr gerne Sport machen wollt!

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Macht Sport, weil ihr gerne Sport macht! Oder weil ihr gerne Kamelen begegnet…

Und manchmal komme ich mir dann albern vor, wenn ich zu meinen Trainingsschützlingen sage „Mach doch mal halb lang!“ oder „Nimm das alles nicht so ernst, du machst das doch nur für dich und für niemand anderen“.
Ich fühle mich albern, weil ich glaube, dass die Leute dann denken, dass ich sie ja gar nicht ernst nehme.
Dabei ist eigentlich das Gegenteil der Fall!

 

Schon Markus Deibler hat gesagt „Talent ist keine Verpflichtung“ 🙂

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…oder macht Sport, weil ihr gerne lange Rucksack-Radtouren macht!
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…oder, weil ihr gerne spazierengehende Männer mit Kamelen treffen wollt…
Interviews Motivation Reisen SpreadSport Training Triathlon Wettkampf

„Wenn man fällt, muss man wieder aufstehen. Das tue ich gerade.“ (Deutsche Interview-Version)

„ Wenn man fällt, muss man wieder aufstehen. Das tue ich gerade“

 

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Nach einem schweren Radunfall 2013 lag die dänische Triathletin Camilla Pedersen im künstlichen Koma. 
Die Ärzte hatten keine Hoffnung, dass sie jemals wieder laufen wird.
Doch Camilla belehrte sie eines Besseren.
Acht Monate später, gewann sie die Challenge Fuerteventura.
Ein wahnsinnig spannendes und inspirierendes Interview, mit einer Frau, die vor Lebensfreude, Stärke und Mut nur so strotzt.

Im September 2013 hattest du einen schweren Radunfall.
Hast du noch mit Beeinträchtigungen zu kämpfen oder bist du komplett genesen?
Ich habe immer noch Beeinträchtigungen und werde sie für den Rest meines Lebens haben.
Aber keiner von uns ist perfekt. Jeder hat seine Probleme. Man muss sein Leben so gestalten, wie es einem möglich ist.
Man muss herausfinden, wie man seine Probleme lösen kann und seine Ziele trotzdem erreicht.
Es ist wie ein Puzzle – man muss die kleinen Teile, die funktionieren, zu einem großen Ganzen zusammensetzen, damit man etwas Schönes bekommt.

Manche Dinge funktionieren einfach noch nicht. Und das ist wirklich frustrierend. Aber ich versuche trotzdem fröhlich zu bleiben. Schließlich lebe ich noch.

Was funktioniert noch nicht?
Nach langen harten Tagen mit viel Training oder einem Ironman reguliert sich mein Körper runter, ohne, dass ich mich körperlich oder geistig erschöpft fühle. Ich fühle keine Erschöpfung, aber sie ist da.
Wir versuchen noch rauszufinden, wieso das passiert. Mein Gehirn hat bei dem Unfall einiges abbekommen, durch den hohen Druck, der in meinem Kopf herrschte, als ich im Koma lag.
Wahrscheinlich ist mein Cortex beschädigt worden.
Der Kortex kommuniziert mit dem Körper. Und immer, wenn mein Körper an ein Limit kommt, schaltet er ab.

Wie gehst du damit um?
Ich trainiere meinen Kopf.
Ich versuche neue Areale in meinem Gehirn zu aktivieren.
Nach dem Unfall war es lange Zeit schwer für mich zu lesen oder zu schreiben. Ich hatte Blutungen in dem Teil meines Gehirns, in dem das Gedächtnis sitzt. Deshalb fällt es mir schwerer mich an gewisse Dinge zu erinnern. Besonders, wenn ich etwas höre, kann ich mir es schlechter behalten. Das funktioniert besser, wenn ich es selbst schreibe.
Deshalb mache ich Übungen dafür.

Mein Gehirn wird einfach schneller müde, also trainiere ich es. Denn wenn der Kopf schneller müde wird, ermüde ich auch im Training schneller. Das ist ein Teufelskreis.
Ich muss eine halbe Stunde am Tag einfach nichts tun – das Meer anschauen oder die Decke anstarren, ohne Smartphone oder so. In dieser Zeit muss ich meinen Kopf ausruhen.
Das fällt mir nicht leicht, ich bin nicht gut darin, nichts zu tun. Aber ich merke, dass mir das gut tut. Also mache ich es.

Der kürzeste Weg, ist niemals der richtige Weg. Wenn man fällt, muss man wieder aufstehen.
Das tue ich gerade.

Bist du dem vielen und harten Training denn überhaupt wieder gewachsen?
Was für mein Gehirn neu ist, fällt ihm schwer. Ich treibe schon immer Sport, daran bin ich gewöhnt, das kennt mein Gehirn. Deswegen ist das Training etwas, das mir leicht fällt, womit ich mich wohlfühle.
Im Training fühle ich mich am entspanntesten.
All dieses Training machen zu können ist tröstlich. Das ist mein großes Glück.

Was ich von meinem Unfall gelernt habe ist, dass man nur einmal lebt. Es kann sich von der einen auf die andere Sekunde so viel ändern. Man muss jeden Moment genießen. Man muss die Lichtblicke genießen und das tun, was man liebt.
Für mich ist das eben Triathlon. Ich liebe diesen Sport einfach und deshalb bin ich wieder zurückgekommen.

Was hat dich so stark gemacht? So stark, dass du wieder Leistungssport machst, obwohl dich die Ärzte schon aufgegeben hatten?
Ich folge meinem Herzen. Ich höre in mich hinein, frage mich, wie ich mich fühle.
Ich glaube Leuten einfach nicht blind. Ich muss es gefühlt haben, bevor ich es glauben kann.
Ich gebe nie ohne irgendeinen Grund auf. Wenn ich etwas probiere und feststelle, dass ich es nicht schaffe, dann kann ich das akzeptieren. Aber nicht, wenn ich es nicht versucht habe.
Man muss an sich glauben und kämpfen.
Wenn man mal die Erfahrung gemacht hat, etwas geschafft zu haben, dann muss man das Gefühl speichern und sich merken. Das macht einen stärker!

Hattest du an einem Punkt deiner Genesung Zweifel daran, wieder gesund zu werden?
Am Anfang war ich sehr verunsichert. Es war alles so anders und neu.
Und es war hart für mich, zu wissen, dass jeder wusste, wo ich war, wie es mir ging, was ich erlebt habe. Die Leute gingen irgendwie davon aus, dass ich mich verändert hätte. Dabei hatte ich mich doch gar nicht verändert, ich war immer noch die gleiche Camilla.

Sportlich gesehen war das Schwimmen zu Beginn nicht einfach. Ich konnte den schwarzen Strich im Becken nichtmal sehen. Mir war so schwindelig. Ich hatte so einen Druck im Kopf.
Ich konnte zum Beispiel nicht nach links atmen. Immer, wenn ich nach links geatmet habe, wurde mir schwindelig. Also atmete ich nur nach rechts.
Ich konnte auch nicht mit meiner Schwimmgruppe trainieren, weil ich einfach noch nicht so fit war. Also bin ich ein Jahr alleine geschwommen, das war so unfassbar langweilig, immer nur seine eigenen Programme abzuschwimmen. Aber da musste ich durch.

Was sind deine Ziele für 2016? Worauf bereitest du dich gerade vor?
Kona ist mein großes Ziel. Da ich die Quali schon habe, kann ich etwas entspannter in die Saison gehen und ein paar Rennen machen, bei denen ich einfach gerne starten möchte. Ich werde im März den 70.3 Monterrey in Mexiko machen, dann den 70.3 Brasilien. Einfach, weil ich gerne mal nach Brasilien will. Die ITU Langdistanz-WM in Oklahoma habe ich im Hinterkopf und ein paar Rennen in Dänemark. Und natürlich die Langdistanz-EM in Frankfurt. Einen genauen Rennplan habe ich noch nicht, daran bastle ich noch.

Wie war Kona 2015 für dich? Es war dein erster Start, nachdem du 2013 eigentlich zu den Favoriten gezählt hast. Was hast du gelernt?
Als ich an der Startlinie stand, war ich sehr glücklich. Es war immer mein Traum nach Hawaii zu kommen. Und da stand ich nun. Zwei Jahre zuvor lag ich noch im Krankenhaus und nun stand ich an der Startlinie.
Allerdings hatte ich im Sommer einen Bandscheibenvorfall, mit dem ich bis zwei Monate vor Hawaii nicht laufen konnte. Dass es deshalb kein perfektes Rennen werden würde, war klar.

Was ich gelernt habe:
Ich schätze total, dass ich wieder das machen kann, was ich liebe.
Ich liebe all die Abenteuer. Man sieht die Welt von einer anderen Seite.
Man erlebt sie nicht als Tourist, sondern wie ein Einheimischer. Es gibt dir Erinnerungen für den Rest deines Lebens.
So lange man seine Familie um sich hat, mit der man sein Leben teilen kann, ist alles gut.
Bei Sponsoren geht es mir ähnlich. Mir ist es sehr wichtig bei Sponsoren zu bleiben, die mich von Anfang an unterstützt haben. Sie waren da, als mich noch keiner kannte. Loyalität und Ehrlichkeit sind mir in dieser Beziehung ganz wichtig. Natürlich kommen neue hinzu und man bekommt immer wieder Angebote, aber diejenigen, die schon immer dabei sind, die muss man einfach zu schätzen wissen.

Was sind deine Ziele für dieses Jahr Kona?
Für dieses Jahr will ich aufs Podest.
In der Form, in der ich 2013 vor dem Unfall war, wäre ich mit Sicherheit in den Top 3 gewesen.
Mein Trainer sagt, dass ich das schaffen werde. Und er sagt nie Dinge, an die er selbst nicht glaubt.
Nun arbeite ich daran, wieder auf dieses Level zurückzukommen.
Generell will ich ein Rennen machen, mit dem ich zufrieden bin. Wenn ich Fünfte werde, aber mein bestes Rennen gemacht habe, dann ist das super. Dann weiß ich einfach, dass die anderen besser sind.

Du hast schon immer viel Sport gemacht. Von Hockey, über Schwimmen, bis hin zu Triathlon. Was machst du neben dem Triathlon am Liebsten? Hast du in der off-Season Zeit für etwas anderes als Triathlon?
Dieses Jahr habe ich Eis-Hockey gespielt. Außerdem bin ich Spinning Instructor im Fitness-Studio zuhause. Da habe ich im Dezember dann auch mal Kurse gegeben und mitgemacht, die ich eigentlich nicht mache. Crossfit, Yoga, … Ich mag es einfach, meinen Körper in einer anderen Art und Weise einzusetzen, als man es  gewohnt ist. Ich mag Herausforderungen.

Zu guter letzt noch eine Frage, die ich jedem Interview-Partner stelle…
Wenn du nach einem Trainingstag nachhause kommst und den Kühlschrank aufmachst, welches Lebensmittel fehlt dort niemals?
Ketchup! Eindeutig Ketchup (lacht). Und an zweiter Stelle kommt Joghurt.

Vielen Dank für deine Zeit, Camilla! Ich wünsche dir das Beste für das kommende Jahr.
Mit deiner Einstellung kann aber eigentlich nichts schief gehen.
Keep going!

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