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sport abroad – wie gelingt Triathlon-Training in Peking?

Wir Triathleten in Deutschland haben meist ziemlich gute Trainingsbedingungen – ausgebaute Straßen, Felder, Parks oder Wälder zum Laufen und Radeln direkt vor der Haustür und ein Schwimmbad ist meist auch nicht allzu weit weg.
Aber wie sieht das an anderen Orten der Welt aus?
In China zum Beispiel?
Genauer gesagt in Peking. In einer Millionenstadt in einem Milliardenland.
Kann man anderswo der Triathlon-Leidenschaft genauso gut nachkommen wie zuhause?

Sven ist vor einem Jahr beruflich nach Peking gegangen und trat sportlich gesehen ins Ungewisse. Er hatte selbst große Zweifel. Er befürchtete zu Beginn, dass er ohne Trainingsgruppe und Infrastruktur zu einem Partytier mutieren und den Sport vergessen könnte.
Doch dann lernte er Peking von der sportlichen Seite kennen und lieben.

Unter dem Titel „sport abroad“ erhaltet ihr ab sofort ein paar Einblicke, Ausblicke, Überblicke zu Svens Triathlon-Leben in China, seinem Weg zur 70.3 Ironman-WM und seinem Ironman-Debüt in Frankfurt.

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Sven mitten in Peking, mit dem Rad.

Sven, seit wann machst du Triathlon?
2009 und 2010 bin ich jeweils auf der Mitteldistanz in Rapperswil gestartet. Das waren meine ersten und zunächst auch einzigen Rennen. Ich habe in diesen Jahren nur auf diesen einen Wettkampf hintrainiert. Als ich im Ziel war, habe ich eine Dose Bier getrunken, eine Zigarette geraucht und das Training bis ins nächste Jahr an den Nagel gehängt.

Pflegst du immer noch dieses Trainings- und Wettkampfverhalten?
Nein, in den folgenden Jahren habe ich mit Radmarathons und diversen Halbmarathons weiter gemacht, bis ich im Jahr 2013 wieder ausreichend Zeit für das Triathlon-Training fand. Über eine Freundin bin ich auf Spiridon aufmerksam geworden. Zunächst wegen des Schwimmtrainings. Doch schnell habe ich gemerkt, wie viel besser der Sport und das Training in der Gruppe ist. Durch Zufall lernte ich dann noch die Jungs um Florian Joeckel von Guilty76 kennen. Das gemeinsame Schwimmen, Radtraining und Lauftreffs haben meine Form deutlich verbessert – zudem machte es auch noch viel mehr Spaß.

Und als du dich an ein geregeltes Trainingsleben gewöhnt hattest, bist du nach China gezogen…
Genau. Ich habe 2013 zwei Mitteldistanzen ins Ziel gebracht und mich immer weiterentwickelt. In Köln 2014 habe ich in 4:39 Stunden eine persönliche Bestleistung auf der Mitteldistanz aufgestellt, das war schon ein gutes Jahr.
Und dann bin ich 2015 nach Peking gezogen.

Weil du dort arbeitest?
Exakt. Ich arbeite in der Automobilbranche im digitalen Marketing. China ist in vielen Sachen hinten dran, aber in anderen Dingen auch ganz weit vorne. Daher hat es mich gereizt, komplett aus einer gewohnten Umgebung auszubrechen und dieses Abenteuer zu wagen.

Auch in sportlicher Hinsicht hast du deine gewohnte Umgebung verlassen. Hattest du Bedenken, ob du in Peking überhaupt einem Triathlontraining nachkommen kannst?
Ich hatte größten Respekt davor. Ich wusste überhaupt nicht, wie es z.B. mit der Luft sein wird. Der Smog ist das erste, an das Leute denken, wenn sie Peking hören. Und dann ist es eine Großstadt – Radfahren in Berlin war gefühlt schon recht schlecht – wie würde das in einer Stadt mit 20 Millionen Einwohnern sein? Ich war mir nicht sicher, ob ich nicht in der typischen Expat Party-Community aufgehen werde und den Sport fürs erste wieder vergesse.

Nach dem Zielverhalten in Rapperswil zu urteilen, ist es ja etwas, das dir durchaus Spaß bereitet…
Lacht. Natürlich feiere ich auch gerne, aber die Vorstellung, wieder zum Partytier zu mutieren hat mir ein wenig Angst gemacht.
In den ersten zwei Tagen nach meiner Ankunft hatten wir schlechtes Wetter mit mieser Luft. Als ich am dritten Tag aus meinem Zimmer im 31. Stock schaute, konnte ich das erste Mal die Berge am Horizont sehen. Das war ein Boom-Erlebnis.

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der erste Blick auf die Berge im Norden Pekings

Wie ist das mit dem Smog in Peking? Das beeinflusst schon das Training oder?
Ehrlich gesagt ist die Luft besser als erwartet. Wir hatten zu Beginn des Jahres 8 Wochen Sonnenschein mit Luftwerten so gut wie in Stuttgart. Aber natürlich ist die Relation hier anders. Während in Stuttgart bei einem Feinstaubwert (PM2.5) von 50 bereits alle Alarmglocken läuten, trainieren wir hier bis zu einem Wert von ca. 150 noch im Freien. Ab 250 wird es dann unangenehm und der Smog ist deutlich sicht- und riechbar. Da tragen alle Ausländer und viele Chinesen dann die Masken, die man immer auf den Bildern sieht.

Wenn die Werte zu schlecht werden, trainieren wir im Gym oder zu Hause. Ich habe einen Luftfilter, der den Feinstaub in der Wohnung reduziert. Der läuft dann neben mir, wenn ich auf der Rolle sitze.  Aber so Tage muss man nehmen wie Regentage in Deutschland.

Der Feinstaub dringt bis in die Wohnung vor?
Ja, der Wert ist nicht so hoch wie draußen, der Feinstaub kommt aber durch. An sehr schlechten Tagen kann der Wert selbst in der Wohnung bei 150 liegen. Da läuft der Luftfilter dann kontinuierlich.

Wie oft gibt es diese „schlechten“  Tage?
Das ist extrem vom Wind abhängig. Und von der Jahreszeit. Kommt der Wind von Norden, ist die Luft gut. Flacht der Wind ab oder kommt aus dem Süden wo die Fabriken in ca. 200km Entfernung stehen, geht der Wert nach oben. In der Heizperiode ist es schlimmer als im Sommer. Aber ich würde sagen, so im Schnitt ca. 5 Tage im Monat, die beeinträchtigt sind.

Du hast dich in diesem Jahr beim Ironman Subic Bay auf den Philippinen für die 70.3 WM an der Gold Coast qualifiziert und wirst in Frankfurt außerdem dein Debüt auf der  Langdistanz geben.
Die Trainingsbedingungen scheinen zu stimmen…
Peking bietet unerwartet gute Trainingsbedingungen. Ich habe meine Wohnung so gewählt, dass ich in der Nähe eines 50m Indoor-Pools und des größten Parks in der Stadt wohne. Das Highlight sind aber die Berge im Norden von Peking. Nach meinen ersten drei Wochen in Peking bin ich mit dem Peloton – einer Expat Radgruppe – das erste Mal in die Berge gefahren. Mit Vans geht es morgens um 7 raus aus der Stadt. Nach ca. 40 Kilometern hat man den sechsten Autobahnring hinter sich gelassen und es wird ländlich. In der Regel starten die Touren an den Füßen der Berge.

Man fährt dann so auf 800 bis 1100 Meter hoch. Der höchste Berg hier geht bis auf 2000 Meter. Man kann Anstiege fahren, die über 10 Kilometer lang sind. Und wenn man die erste Bergkette hinter sich gelassen hat, dann sieht man nur noch Berge. Bis zum Horizont nichts außer Berge. Diese Berge gehen bis ins Innere der Mongolei. Das ist gigantisch.
Hätte mir das jemand gesagt, ich hätte es nicht geglaubt. Die Australier, Engländer, Mexikaner, mit denen ich hier unterwegs bin, sind alle begeistert von den Trainingsmöglichkeiten. Ich vergleiche die Bedingungen gerne mit Südfrankreich.

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Trainingsbedingungen wie in Südfrankreich…

Wie sind die Straßen?
Die Straßen sind in einem super Zustand. Teilweise besser ausgebaut als in Deutschland.
Es gibt in diesem Land 1,3 Milliarden Menschen. Die müssen beschäftigt sein. Deswegen wird hier gebaut wie blöd. Dazu gehört neben dem Bau von Geisterstädten auch der Ausbau des Straßennetzes.
Durch den geringen Niederschlag kann man die ganze Saison auf der Straße fahren, das macht brutal viel Spaß.

Aber die 40 Kilometer aus der Stadt, bei chinesischem Verkehr. Das stelle ich mir nicht so lustig vor.
Das stimmt. Obwohl es riesige Radwege gibt, ist der Verkehr ab einer gewissen Uhrzeit enorm. Sportliches Radfahren ist dann nicht mehr wirklich möglich. Deshalb beginnen alle Rad-Aktivitäten in Peking sehr früh. Man wird also gezwungenermaßen zum Frühaufsteher hier. Am Wochenende fahren wir zudem meinst mit Vans oder dem Auto bis an die Berge. Unter der Woche habe ich gemeinsam mit Freunden eine morgendliche Radgruppe ‘We Love Early Morning BJ’. Begonnen haben wir zu viert, zwischenzeitlich sind 60 Personen in unserer WeChat Gruppe – das chinesische What’s App, Facebook und Twitter. Wir starten um 5.00h morgens und ballern eine flache 70-km Strecke. Raus aus Beijing geht es noch ohne großen Verkehr. Auf den letzten 10 Kilometern, wieder rein in die Stadt, gibt es dann den typischen Slalom zwischen Autos, Bussen, Elektrorollern und Tuck-Tucks. Zur Belohnung geht es um 7.00h ins Jamaica Blue Café zu Cappuccino und Egg Benedikt oder Banana Loaf – warm mit Butter. Ein guter Start in den Tag.

Mehr Eindrücke vom Triathlon-Training aus China folgen ganz bald!

 

 

 

 

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swim, bike, run, sun&fun – it’s done!

Ich bin wieder gelandet – in Deutschland und auf dem Boden der Tatsachen.
Aber es war eine sanfte Landung.
Ich befinde mich mitten in der Wiedereingliederung und man ist sehr zufrieden mit mir.
Schließlich habe ich die Sonne mitgebracht und viele Erinnerungen.

Ziel erreicht
Trainingstechnisch bin ich sehr happy. Ich habe vier Wochen durchtrainieren können. Punkt. Das war das Ziel.
Der Rücken, der Fuß – sie haben dank angezogener Handbremse gehalten.
Auch dank Patricks physiotherapeutischen Künsten und Marias massierenden Händen.
Ich denke es war schlau, gemächlich und langsam zu sporteln.
Wie viele Kilometer ich geschwommen, gefahren, gelaufen bin weiß ich nicht.
Das interessiert mich nicht.
Ich habe mal grob überschlagen. Es waren jede Woche zwischen 15 und 20 Stunden.
Nicht zu viel, nicht zu wenig.
Alles Grundlage.
Dass ich die Handbremse nur selten gelöst habe, freut mich. Das ist bei so vielen motivierten Sportlern auf einem Fleck nicht immer leicht.

Impressed
Was mich aber noch viel mehr beeindruckt hat, waren all die Menschen, die ich getroffen habe.
Mit denen ich geradelt, geschwommen, gelaufen bin,
mit denen ich zu Mittag, zu Abend gegessen, den Bäcker in Antigua gestürmt habe oder auf der Sonnenterrasse saß.
Mit den Leitern, Trainern, Guides und all jenen, mit denen ich in den Vivendas zusammen gelebt habe.
Jede einzelne Geschichte und die unzähligen Gespräche haben mich neugierig gemacht, inspiriert, interessiert oder einfach zum Lachen gebracht.
Es war bereichernd!

Ich bin sehr dankbar für so viel Freude, Sonne, Musik und Lachen,
Herausforderungen, Ausblicke, Einblicke, Übersichten, Einsichten, Aussichten.

Und nun lasse ich einfach Bilder sprechen 🙂
That was Fuerte…

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„Ernährungsspielchen haben im Trainingslager nichts verloren!“

Dass Ernährung im Sport eine bedeutende Rolle spielt, ist längst bekannt.
Wie wichtig eine ausreichende Zufuhr an Energie im Ausdauersport und besonders im Trainingslager ist, erfahrt ihr jetzt und hier.

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Eichhörnchen sollen hier auf der Insel nicht gefüttert werden. Wir müssen gefüttert werden! 😉

Im Ausdauersport bewegen wir uns über Stunden fort. Unsere Muskeln kontrahieren bei jedem Schritt, Tritt und Zug. Das braucht Energie.
Beeindruckend wird es, wenn wir mal etwas tiefer in die Physiologie eintauchen.
Bei jeder Bewegung ziehen sich unzählige Muskeln gleichzeitig zusammen und ermöglichen uns eine Vorwärtsbewegung. Bei jeder Bewegung im Alltag und vermehrt bei jeder Bewegung im Sport.
Wenn wir beispielsweise eine Stunde Laufen, dann sind das tausende Schritte und abertausende Muskelkontraktionen, die unser Körper in dieser Stunde vollbringt.

Zauberwort ATP
Wie aber kommt die Energie, die wir oben in Form von Essen reinschieben, im Muskel an?
Das Zauberwort für diese Muskelkontraktionen heißt ATP – Adenosintriphosphat.
Aus ATP gewinnen wir die Energie zur Muskelkontraktion.
ATP kann auf verschiedenen Wegen im Körper gebildet werden.
Es ist ein universeller Energiespeicher.
Während körperlicher Beanspruchung bauen die Mitochondrien in den Muskelzellen Glucose oder Triglyceride ab, um ATP zu  gewinnen.
Vereinfacht gesprochen enden Kohlenhydrate und Fette, die wir verzehren am Ende als ATP.
Ein normalgewichtiger Mann verbraucht rund 70 kg ATP am Tag.
Wenn man sich überlegt, dass ein ATP-Molekül fast nichts wiegt, bekommt ein ATP-Verbrauch von 70 kg am Tag ein immenses Ausmaß.

Wenn wir uns das ganz kleine verdeutlicht haben, dann sollte einem bewusst werden, warum einer ausreichenden Nahrungszufuhr, insbesondere im Trainingslager, eine so große Bedeutung zukommt.
Im Trainingslager kommt zu unserem Grundumsatz noch der Kalorien-Umsatz durch das erhöhte Sportpensum. Zur Erklärung: der Grundumsatz gibt an, was wir jeden Tag an kcal verbrauchen, um unseren Körper schlichtweg am Leben zu halten.
Alleine dadurch, dass wir atmen, unser Herz schlägt und unser Gehirn aktiv ist, verbrauchen wir Energie.

Ein Berg an verbrannten Kalorien
Je nach Körpergewicht, Art, Dauer und Intensität der Trainingseinheiten kommt man da auf einen großen Berg an verbrauchten Kalorien.
Das muss man erstmal essen. Und zwar nicht nur einen Tag lang, sondern über das gesamte Trainingslager.
Der Körper ist im Trainingslager ständig am Arbeiten.
Wir setzen ihn ganz schön unter Stress, mit dem was wir tun.
Er arbeitet während der Belastung, in den Pausen, im Schlaf, an Ruhetagen.
Dafür braucht er Energie, die wir ihm auch mit gutem Gewissen geben sollten.
Darum haben Ernährungs-Spielchen, übertriebenes „Low Carb“ oder Diäten im Trainingslager einfach nichts verloren!

Mein Tipp
Regelmäßig essen, also morgens, mittags und abends, bis man satt ist – auch wenn das eventuell länger dauert, als im Alltag zuhause.

Direkt nach anstrengenden Einheiten sollten vermehrt Proteine und Kohlenhydrate zugenommen werden. Die Proteine reparieren die Mikrorisse in der Muskulatur. Die parallel erhöhte Kohlenhydratzufuhr (das haben Studien gezeigt) füllt nicht nur die (Muskel-)Speicher wieder auf, sondern hilft auch bei der Neubildung von Proteinen.

Gegebenenfalls während einer langen Radausfahrt auf Riegel zurückgreifen oder eine Kuchenpause einschieben. Ohne schlechtes Gewissen, bitte!
Das Trinken ist die zweite wichtige Baustelle. Habt ein Auge darauf!
An Tagen, an denen man viel schwitzt, gerne etwas Salz in die Radflasche oder das Essen etwas mehr salzen, um den Mineralstoffhaushalt wieder auf Vordermann zu bringen. Salz kann der Körper nicht selbst produzieren, deswegen müssen wir es ihm von außen zuführen.

Der Körper sagt einem in der Regel schon, was er braucht. Nur hören müssen wir darauf!
Kohlenhydrate, Proteine, Fette – an nichts muss gespart werden.

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Der Schlüssel zur nachhaltigen Grundlagenausdauer…

…braucht Mut zur Langsamkeit

Mir stehen vier Wochen Fuerteventura bevor. Zunächst zwei Wochen private Trainingswochen, anschließend zwei Wochen als Guide für Hannes Hawaii Tours.

Ob ich diesen Inselaufenthalt wirklich als Trainingslager sehe, weiß ich noch nicht genau.
Denn eigentlich bin ich wegen der Sonne hier.
Nach fünf Monaten Winter zuhause, brauche ich ganz ganz dringend Sonne!

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Sonne – Faro de la Entallada

Was ich auch weiß: dieses Trainingslager muss ich anders angehen, als all meine letzten.
Denn nach zwei Trainingslager-Wochen war ich bisher anschließend immer krank. So richtig!
Ich habe viele Fehler gemacht. Zu viel, zu intensiv trainiert, zu wenig Pause, zu wenig gegessen.
Fehler, die typisch sind!
Fehler, die wir erst später merken, weil der Körper schon einiges wegstecken kann.
Weil er diese Belastungen durchaus einige Wochen durchstehen kann.
Er nimmt sich die Regeneration aber nach dieser Belastung auch wieder!
Und wenn wir sie ihm freiwillig nicht geben, dann kommt er mit dem Hammer und nimmt sie sich eben selbst.

Diese Fälle von zu wenig Regeneration, bis hin zu Übertraining erlebe ich jeden Tag auf der Arbeit und ich habe sie auch selbst an mir erlebt.
Ich habe diese Sache mit dem Sport außerdem studiert, wird also Zeit, daraus zu lernen!

Ich werde diese Wochen hier absolute Grundlage trainieren und das heißt: locker und langsam unterwegs sein!
Das ist glaube ich das schwerste am Ausdauersport, das Schwerste an polarisiertem Training:
die langsamen Einheiten auch wirklich langsam zu absolvieren.
Natürlich gibt es auch schnelle, intensive Einheiten – die dürfen dann auch wehtun und hart sein. Aber diese Einheiten machen nur einen Bruchteil unseres Trainings aus.
Der größte Teil findet im GA1 statt.

Training muss nicht immer wehtun.
Schon gar nicht, wenn es sich um Grundlageneinheiten handelt.
Der Trainingsreiz beim Grundlagen-Training kommt durch die Länge der Einheit, nicht durch eine hohe Intensität.
Gefühlt könnte man natürlich schneller radeln, schwimmen, laufen.
Aber wenn man das tut, dann laufen physiologische Prozesse im Körper ab, die wir für den GA-Reiz gar nicht gebrauchen können.
Dann übersteigt beispielsweise die Kohlenstoffdioxid-Produktion die Sauerstoffaufnahme, weil wir vermehrt Laktat bilden und unser Körper das abpuffert.
Das fühlen wir in gewissen Bereichen noch gar nicht, aber es passiert! Und das ist tükisch.
Wenn wir nur nach Gefühl trainieren (möglicherweise noch in einer Gruppe), dann bewegen wir uns schnell in diesem Misch-Bereich. Irgendwas zwischen GA1 und GA2.
Das macht uns im anaeroben Bereich (der Muskulatur steht nicht ausreichend Sauerstoff zur Verfügung) auch besser, ein bisschen besser auch im aeroben Bereich (wir haben genügend Sauerstoff zur Verfügung).
Aber wir (Tri)athleten, die jenseits der Sprintdistanz unterwegs sind, wollen ja hauptsächlich den aeroben Bereich trainieren, weil wir uns dort auch im Wettkampf aufhalten.

Um langfristig eine gute Grundlage zu legen und dem Körper dabei nicht weh zu tun, trainiere ich hier also wirkliches GA1 – nicht irgendeine GA1-GA2-Mischscheiße.
Ich trainiere hier mit gleich schnellen Leuten oder alleine.
Sonst werde ich diese vier Wochen sportlich nicht überleben.
Und das wäre äußerst Schade.

Ach ja und essen! Ganz viel essen!
Denn ohne Benzin, fährt der schnellste Ferrari nicht!
Aber dazu später mehr!

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Hobby oder Hamsterrad?

Triathlon ist prädestiniert dazu, eine Sportart für Vergleiche zu sein. Es gibt sie schließlich überall. Die Wettkämpfe und Laufserien und Jedermann-Triathlons.

Dabei gilt beim Jedermann-Wettkampf aber längst nicht mehr das Motto  „Dabei sein ist alles!“. Nein, man muss den Jedermann-Wettkampf gewinnen, zumindest in seiner Altersklasse, weil man ja ein besonders toller Jedermann sein will. Denn wenn man Triathlon „nur zum Spaß“ machen würde, könnte man ja auch gleich zum Nordic Walking übergehen.

Ich freue mich immer, wenn ich Athleten kennenlerne, die realistisch sind.
Letztens habe ich bei einer Diagnostik eine Frau gefragt, was sie dieses Jahr für Ziele hat. Ich habe sie gefragt ob sie eine Langdistanz machen will.
Darauf guckte sie mich an und lachte. Sie sagte: „Nein, ich mache eine Halbdistanz. Mehr nicht. Und mehr werde ich auch niemals machen. Das ist mit meinem Leben nicht vereinbar. Ich habe einen Vollzeitjob, einen Mann und zwei Kinder. Da muss ich schon realistisch bleiben. Was bringt es mir, wenn ich mich bei einer Langdistanz nach 15 Stunden über die Ziellinie schleppe?“

Das fand ich eine tolle, ehrliche und realistische Antwort. Und ich habe mir gewünscht, dass es mehr von diesen mutigen Triathleten gibt.
Mutig, weil sie ihre Grenzen sehen und realistisch denken.
Weil man mit einer zeitlichen Verfügbarkeit von 6 Stunden die Woche eben vielleicht nochmal überlegen sollte, ob die angestrebte Langdistanz wirklich sein muss.
Das ist eine Gradwanderung zwischen Ehrgeiz, „ich-schaffe-alles-wenn-ich-es-nur-will“ und Verantwortungslosigkeit.
Euer Körper jubelt euch bei solchen Zielen mit Sicherheit nicht zu.

Ganz zu schweigen von Menschen aus der Chefetage, mit der Motivation zum Triathlon „weil es sich in der Vita gut macht, mal einen Ironman zu finishen, da es ja Durchhaltevermögen zeigt“.
Da rollen sich mir die Fußnägel nach oben!

Wir alle haben uns diesem Sport verschrieben, weil er uns begeistert hat und Spaß gemacht hat. Ganz am Anfang… da hat es ausschließlich Spaß gemacht. Als dann dieses Ding mit der Selbstwirksamkeit dazu kam (man sieht, dass man sich mit Training verbessert), da kam zu diesem Spaß noch der Ehrgeiz. Und als man Lob und Zuspruch von außen bekam, nach dem ersten Wettkampf (den man mal gemacht hab um zu gucken, ob man sowas Witziges wie Triathlon eigentlich schafft), da hat man schon einen ersten Fuß in den Hamsterkäfig gesetzt.

Hin und wieder sollte man mal überlegen, ob man in diesem Rad mal gelaufen ist, es immer noch tut und vielleicht lieber aussteigt. Einfach mal ein bisschen reflektieren.

Sicher ist: die Menschheit von heute bewegt sich zu wenig. Volkskrankheiten entstehen, weil dieser sedentäre Lebensstil nicht für den Menschen geschaffen ist.
Sicher ist auch, dass es deshalb gut ist, ein bewegtes Leben zu führen und Sport zu machen!

Aber bewegen kann man sich auch, wenn man mit dem Rad zur Arbeit fährt. Wenn man einen langen Spaziergang im Wald macht. Wenn man mit den Kindern um die Wette rennt und im Sommer im Badesee schwimmt.

Bewegen kann man sich auch, in dem man Triathlon macht.
Aber bitte seid dabei doch glücklich und macht euer Hobby nicht zum Zwang.

Setzt euch doch nicht einfach eine Langdistanz zum Ziel, der Langdistanz wegen. Oder einen Marathon, des Marathons wegen. Setzt euch Sport zum Ziel, der Bewegung wegen!

Und wenn ihr es liebt, lange Rad zu fahren oder lange zu laufen oder lange zu schwimmen. Dann macht das! Und wenn ihr es liebt, das in einem Wettkampf zu machen, weil man sich dann mal so richtig verausgaben kann! Dann tut es!
Dann hält euch niemand davon ab!
Ich liebe es auch!

Aber an manchen Tagen liebe ich es auch nicht oder habe keine Lust! Und dann habe ich keine Lust! Und dann fällt das Training aus! Weil: ich habe ja keine Lust.
Nehmt den Sport nicht so ernst.
Nehmt ihn schon ernst, wenn er euch etwas bedeutet, aber nehmt ihn nicht sooo ernst.
Und wenn ihr gerne Sport macht, aber eigentlich gar keine Wettkämpfe machen wollt, dann macht doch Sport, weil ihr gerne Sport machen wollt!

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Macht Sport, weil ihr gerne Sport macht! Oder weil ihr gerne Kamelen begegnet…

Und manchmal komme ich mir dann albern vor, wenn ich zu meinen Trainingsschützlingen sage „Mach doch mal halb lang!“ oder „Nimm das alles nicht so ernst, du machst das doch nur für dich und für niemand anderen“.
Ich fühle mich albern, weil ich glaube, dass die Leute dann denken, dass ich sie ja gar nicht ernst nehme.
Dabei ist eigentlich das Gegenteil der Fall!

 

Schon Markus Deibler hat gesagt „Talent ist keine Verpflichtung“ 🙂

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…oder macht Sport, weil ihr gerne lange Rucksack-Radtouren macht!
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…oder, weil ihr gerne spazierengehende Männer mit Kamelen treffen wollt…
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„Wenn man fällt, muss man wieder aufstehen. Das tue ich gerade.“ (Deutsche Interview-Version)

„ Wenn man fällt, muss man wieder aufstehen. Das tue ich gerade“

 

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Nach einem schweren Radunfall 2013 lag die dänische Triathletin Camilla Pedersen im künstlichen Koma. 
Die Ärzte hatten keine Hoffnung, dass sie jemals wieder laufen wird.
Doch Camilla belehrte sie eines Besseren.
Acht Monate später, gewann sie die Challenge Fuerteventura.
Ein wahnsinnig spannendes und inspirierendes Interview, mit einer Frau, die vor Lebensfreude, Stärke und Mut nur so strotzt.

Im September 2013 hattest du einen schweren Radunfall.
Hast du noch mit Beeinträchtigungen zu kämpfen oder bist du komplett genesen?
Ich habe immer noch Beeinträchtigungen und werde sie für den Rest meines Lebens haben.
Aber keiner von uns ist perfekt. Jeder hat seine Probleme. Man muss sein Leben so gestalten, wie es einem möglich ist.
Man muss herausfinden, wie man seine Probleme lösen kann und seine Ziele trotzdem erreicht.
Es ist wie ein Puzzle – man muss die kleinen Teile, die funktionieren, zu einem großen Ganzen zusammensetzen, damit man etwas Schönes bekommt.

Manche Dinge funktionieren einfach noch nicht. Und das ist wirklich frustrierend. Aber ich versuche trotzdem fröhlich zu bleiben. Schließlich lebe ich noch.

Was funktioniert noch nicht?
Nach langen harten Tagen mit viel Training oder einem Ironman reguliert sich mein Körper runter, ohne, dass ich mich körperlich oder geistig erschöpft fühle. Ich fühle keine Erschöpfung, aber sie ist da.
Wir versuchen noch rauszufinden, wieso das passiert. Mein Gehirn hat bei dem Unfall einiges abbekommen, durch den hohen Druck, der in meinem Kopf herrschte, als ich im Koma lag.
Wahrscheinlich ist mein Cortex beschädigt worden.
Der Kortex kommuniziert mit dem Körper. Und immer, wenn mein Körper an ein Limit kommt, schaltet er ab.

Wie gehst du damit um?
Ich trainiere meinen Kopf.
Ich versuche neue Areale in meinem Gehirn zu aktivieren.
Nach dem Unfall war es lange Zeit schwer für mich zu lesen oder zu schreiben. Ich hatte Blutungen in dem Teil meines Gehirns, in dem das Gedächtnis sitzt. Deshalb fällt es mir schwerer mich an gewisse Dinge zu erinnern. Besonders, wenn ich etwas höre, kann ich mir es schlechter behalten. Das funktioniert besser, wenn ich es selbst schreibe.
Deshalb mache ich Übungen dafür.

Mein Gehirn wird einfach schneller müde, also trainiere ich es. Denn wenn der Kopf schneller müde wird, ermüde ich auch im Training schneller. Das ist ein Teufelskreis.
Ich muss eine halbe Stunde am Tag einfach nichts tun – das Meer anschauen oder die Decke anstarren, ohne Smartphone oder so. In dieser Zeit muss ich meinen Kopf ausruhen.
Das fällt mir nicht leicht, ich bin nicht gut darin, nichts zu tun. Aber ich merke, dass mir das gut tut. Also mache ich es.

Der kürzeste Weg, ist niemals der richtige Weg. Wenn man fällt, muss man wieder aufstehen.
Das tue ich gerade.

Bist du dem vielen und harten Training denn überhaupt wieder gewachsen?
Was für mein Gehirn neu ist, fällt ihm schwer. Ich treibe schon immer Sport, daran bin ich gewöhnt, das kennt mein Gehirn. Deswegen ist das Training etwas, das mir leicht fällt, womit ich mich wohlfühle.
Im Training fühle ich mich am entspanntesten.
All dieses Training machen zu können ist tröstlich. Das ist mein großes Glück.

Was ich von meinem Unfall gelernt habe ist, dass man nur einmal lebt. Es kann sich von der einen auf die andere Sekunde so viel ändern. Man muss jeden Moment genießen. Man muss die Lichtblicke genießen und das tun, was man liebt.
Für mich ist das eben Triathlon. Ich liebe diesen Sport einfach und deshalb bin ich wieder zurückgekommen.

Was hat dich so stark gemacht? So stark, dass du wieder Leistungssport machst, obwohl dich die Ärzte schon aufgegeben hatten?
Ich folge meinem Herzen. Ich höre in mich hinein, frage mich, wie ich mich fühle.
Ich glaube Leuten einfach nicht blind. Ich muss es gefühlt haben, bevor ich es glauben kann.
Ich gebe nie ohne irgendeinen Grund auf. Wenn ich etwas probiere und feststelle, dass ich es nicht schaffe, dann kann ich das akzeptieren. Aber nicht, wenn ich es nicht versucht habe.
Man muss an sich glauben und kämpfen.
Wenn man mal die Erfahrung gemacht hat, etwas geschafft zu haben, dann muss man das Gefühl speichern und sich merken. Das macht einen stärker!

Hattest du an einem Punkt deiner Genesung Zweifel daran, wieder gesund zu werden?
Am Anfang war ich sehr verunsichert. Es war alles so anders und neu.
Und es war hart für mich, zu wissen, dass jeder wusste, wo ich war, wie es mir ging, was ich erlebt habe. Die Leute gingen irgendwie davon aus, dass ich mich verändert hätte. Dabei hatte ich mich doch gar nicht verändert, ich war immer noch die gleiche Camilla.

Sportlich gesehen war das Schwimmen zu Beginn nicht einfach. Ich konnte den schwarzen Strich im Becken nichtmal sehen. Mir war so schwindelig. Ich hatte so einen Druck im Kopf.
Ich konnte zum Beispiel nicht nach links atmen. Immer, wenn ich nach links geatmet habe, wurde mir schwindelig. Also atmete ich nur nach rechts.
Ich konnte auch nicht mit meiner Schwimmgruppe trainieren, weil ich einfach noch nicht so fit war. Also bin ich ein Jahr alleine geschwommen, das war so unfassbar langweilig, immer nur seine eigenen Programme abzuschwimmen. Aber da musste ich durch.

Was sind deine Ziele für 2016? Worauf bereitest du dich gerade vor?
Kona ist mein großes Ziel. Da ich die Quali schon habe, kann ich etwas entspannter in die Saison gehen und ein paar Rennen machen, bei denen ich einfach gerne starten möchte. Ich werde im März den 70.3 Monterrey in Mexiko machen, dann den 70.3 Brasilien. Einfach, weil ich gerne mal nach Brasilien will. Die ITU Langdistanz-WM in Oklahoma habe ich im Hinterkopf und ein paar Rennen in Dänemark. Und natürlich die Langdistanz-EM in Frankfurt. Einen genauen Rennplan habe ich noch nicht, daran bastle ich noch.

Wie war Kona 2015 für dich? Es war dein erster Start, nachdem du 2013 eigentlich zu den Favoriten gezählt hast. Was hast du gelernt?
Als ich an der Startlinie stand, war ich sehr glücklich. Es war immer mein Traum nach Hawaii zu kommen. Und da stand ich nun. Zwei Jahre zuvor lag ich noch im Krankenhaus und nun stand ich an der Startlinie.
Allerdings hatte ich im Sommer einen Bandscheibenvorfall, mit dem ich bis zwei Monate vor Hawaii nicht laufen konnte. Dass es deshalb kein perfektes Rennen werden würde, war klar.

Was ich gelernt habe:
Ich schätze total, dass ich wieder das machen kann, was ich liebe.
Ich liebe all die Abenteuer. Man sieht die Welt von einer anderen Seite.
Man erlebt sie nicht als Tourist, sondern wie ein Einheimischer. Es gibt dir Erinnerungen für den Rest deines Lebens.
So lange man seine Familie um sich hat, mit der man sein Leben teilen kann, ist alles gut.
Bei Sponsoren geht es mir ähnlich. Mir ist es sehr wichtig bei Sponsoren zu bleiben, die mich von Anfang an unterstützt haben. Sie waren da, als mich noch keiner kannte. Loyalität und Ehrlichkeit sind mir in dieser Beziehung ganz wichtig. Natürlich kommen neue hinzu und man bekommt immer wieder Angebote, aber diejenigen, die schon immer dabei sind, die muss man einfach zu schätzen wissen.

Was sind deine Ziele für dieses Jahr Kona?
Für dieses Jahr will ich aufs Podest.
In der Form, in der ich 2013 vor dem Unfall war, wäre ich mit Sicherheit in den Top 3 gewesen.
Mein Trainer sagt, dass ich das schaffen werde. Und er sagt nie Dinge, an die er selbst nicht glaubt.
Nun arbeite ich daran, wieder auf dieses Level zurückzukommen.
Generell will ich ein Rennen machen, mit dem ich zufrieden bin. Wenn ich Fünfte werde, aber mein bestes Rennen gemacht habe, dann ist das super. Dann weiß ich einfach, dass die anderen besser sind.

Du hast schon immer viel Sport gemacht. Von Hockey, über Schwimmen, bis hin zu Triathlon. Was machst du neben dem Triathlon am Liebsten? Hast du in der off-Season Zeit für etwas anderes als Triathlon?
Dieses Jahr habe ich Eis-Hockey gespielt. Außerdem bin ich Spinning Instructor im Fitness-Studio zuhause. Da habe ich im Dezember dann auch mal Kurse gegeben und mitgemacht, die ich eigentlich nicht mache. Crossfit, Yoga, … Ich mag es einfach, meinen Körper in einer anderen Art und Weise einzusetzen, als man es  gewohnt ist. Ich mag Herausforderungen.

Zu guter letzt noch eine Frage, die ich jedem Interview-Partner stelle…
Wenn du nach einem Trainingstag nachhause kommst und den Kühlschrank aufmachst, welches Lebensmittel fehlt dort niemals?
Ketchup! Eindeutig Ketchup (lacht). Und an zweiter Stelle kommt Joghurt.

Vielen Dank für deine Zeit, Camilla! Ich wünsche dir das Beste für das kommende Jahr.
Mit deiner Einstellung kann aber eigentlich nichts schief gehen.
Keep going!

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„The shortest way is never the right way!“ (English interview version)

“The shortest way is never the right way!”

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After a hard crash in 2013, Camilla Pedersen laid in artificial coma. The docs abandoned hope that she’ll walk again someday. But Camilla disabused them. Eight month later she won Challenge Fuerteventura. A fascinating interview with an inspiring, battlesome woman with overwhelming lust for life.

Camilla, in 2013 you had a hard crash. Do you still feel some effects of it? Or are you totally recovered?
I still have some effects and I will have these effects for the rest of my life.
Some things doesn’t work. It is frustrated. But I try to be happy. I’m still alive.
But none of us is perfect. Everybody has some issues. You have to live your life, figure out how to solve your problems and get your goals.
It’s like a puzzle. You have to put the small parts together as good as you can.

Which things doesn’t work?
After hard sessions or an ironman my body shots down. We try to figure out why. Because I’m physically or mentally not tired.
My brain got some trouble in the accident. And maybe my cortex was damaged. So when my body reaches a limit, he shots down.

How do you deal with it?
I train my brain.
I try to activate new places.
After the accident I had a hard time reading and writing. There were some bleeding in my memory.
So I harder remember things people tell me. It’s better when I can read it for myself.

My brain gets tired faster, so I have to train my brain.
Because when the brain gets tired faster, my body gets tired faster, too. That’s a jungle.
I have to do nothing, once a day, for half an hour. Starring at the ceiling. I’m really bad in doing nothing, but it’s necessary. So I do it.
The shortest way is never the right way. You have to raise again. That’s what I’m doing right now.

Are you prepared for your high training volume?
I like to feel comfortable. The hardest thing for my brain is, when something is new.
I know training, so it doesn’t make me tired. Training is the thing I relax the most.
‚After the accident I learned and realized that you only live once. So you have to enjoy every minute of your life. You have to be blessed to do all the things. You have to look on the bright side.
And do the things you want to do.
For me it’s triathlon. I love it from deep inside my heart. That’s why I came back.

What made you that strong when doctors abandoned hope already?
I follow my heart. I ask myself: How do I feel?
I don’t want to hear what people tell me before I feel it for myself.
I don’t quit anything.
When I figure out that something isn’t possible I can accept this. But until this point I keep believing and fighting.
When you reach a goal you have to remember it. Remember the feeling you experienced. That makes you stronger.

Did you have doubts at any point of your recovery?
I was very insecure in the beginning. The situation and everything around me was new.
The first weeks after I woke up it was hard that everybody knew where I was and what I’ve been through. People thought I had changed. But nothing has changed for me. I am still the old Girl.

And then the swim in the first year was hard. I couldn’t see anything in the pool. I was so dizzy and had such a pressure in my head.
I had trouble, breathing to the left. So I only drew to the right. I couldn’t swim with my team at home and swimming alone is so fucking boring. But I made my own programs.

What are your goals for 2016?
My goal is Kona.
Luckily I already have the qualification, so I can do some races I really want to start in.
For example Ironman 70.3 Monterrey in Mexico and Ironman 70.3 Brazil. I’ve never been to Brazil so I’m really glad to go there. Then the ITU long distance world championship and the IM long distance European Championship in Frankfurt. Plus some races in Denmark. But I don’t have a detailed plan not yet.

How was Kona 2015 for you? Which lessons have you learned?
I was really happy standing at the starting line. I was happy because it was my dream standing there once in a life. Two years ago I was at the hospital and then I stand at the start. Great!
But I had a disc-prolapse in summer and couldn’t run until two month before the start. So that wasn’t a perfect race in October.

For this year I want to stand on the podium. With the shape I had in 2013 before the accident I had reached top 3 for sure.
Now I’m working to get back on this level like in 2013.
My coach says I’ll bring that. And normally he never says something that doesn’t work.
In general I want to make a good race. A good race for me. When I’m number 5 with a perfect race, I’m happy, too. Then the others are better.
I learned that I love all the adventures. As a triathlete you see the world from another side. You see the local side.
It gives you memories for the rest of your life.
As long as you have your family close and share your adventures with them, everything is perfect.
It’s similar with the sponsorship. For me it’s pretty important to stay with sponsors from the very first beginning. They were there for you, when nobody knew you. That’s a thing of honesty and loyality.

You said you were always doing a lot of sports. Swimming, hockey, e.g. What kind of sport do you love most next to triathlon?
I played some Ice hockey in the off-season. At home I’m a fitness instructor for spinning. And in December I also did some courses I normally don’t give. Crossfit and yoga for example.
I just like to use my body in another way I’m used to.
Do some challenges. That’s cool.

One last question I’ll ask every interview partner.
When you come home after a day full of training. Which kind of food is never missing in your fridge?
Ketchup. Definitely ketchup! And yogurt.

Thanks for your time, Camilla! Wish you the best for this year.
But with your attitude I’m sure, there’s nothing going wrong.
Keep going!

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Interviews Motivation SpreadSport Training Wettkampf

„Talent ist keine Verpflichtung!“

12th FINA World Swimming Championships (25m)
Markus Deibler, nach dem Weltrekord in Doha. Photo: Andrea Staccioli/Deepbluemedia/Insidefoto

 

Markus Deibler. Europameister. Weltrekordhalter. 8. bei Olympia.
Wenige Tage nach seinem Weltrekord vor gut einem Jahr hat er seine Karriere beendet.
Mit 25, weil ihm die Motivation für weitere Jahre Leistungssport gefehlt hat.

Im Interview mit spread sport erzählt er sehr ehrlich vom harten Leben als Profischwimmer in Deutschland, was er als Funktionär verändern würde und seinem neuen Job als Eisdielenbesitzer.

Markus, du hattest deinen Durchbruch im Schwimmen bei der EM 2010 in Eindhoven mit drei Goldmedaillen. 2012 bist du 8. im Olympiafinale von London über 200m-Lagen geworden. Im Dezember 2014 hast du in Doha einen neuen Weltrekord über 100m-Lagen aufgestellt. Wenige Tage später bist du vom Profisport zurückgetreten, weil dir die Motivation für weitere Jahre im Leistungssport gefehlt hat.
Wie kommt man mit so vielen Erfolgen im Gepäck zu so einer Entscheidung?

Leistungssport macht man in Deutschland für sich.
Finanziell gewinnt man damit keinen Blumentopf und den Deutschen ist es egal, ob da jemand in der Weltspitze vorne mitschwimmt oder nicht.
Wenn du also keine Lust mehr auf den Sport hast, kannst du es auch lassen.
Generell finde ich: wenn einem im Leben die Lust für etwas fehlt, dann ist es egal um was es geht. Ob es um Leistungssport oder ein Hobby geht.
Man sollte sich auf das konzentrieren, was einem Spaß macht. In meinem Fall ist das eben meine Eisdiele, dich ich mit einer Freundin seit einigen Jahren führe.

Wäre deine Motivation in einem anderen Land größer?

Mit Sicherheit. Wenn man zum Beispiel in den USA schwimmt, dann schwimmt man für sein Land. Das ist eine Ehre, ein Traum. Da steckt eine ganz andere Motivation dahinter, als bei uns in Deutschland.

Dir fehlte hier also der Rückhalt?

Definitiv. Der Schwimmsport spielt in Deutschland einfach keine Rolle. Aber das wusste ich, als ich diesen Job ergriffen habe.
Dann darf ich mich nicht die ganze Zeit beschweren. Dann muss ich einfach machen.

Wer den Schwimmsport so gut kennt wie du, der könnte doch etwas verändern!

Ja, das stimmt! Direkt nach meinem Rücktritt wurde ich gefragt, ob ich mir eine Tätigkeit im Verband vorstellen kann. Damals hatte ich mich mit dem Thema noch nicht auseinandergesetzt und hätte nicht gewusst, was auf mich zukommt. Mittlerweile kann ich mir eine Funktionärstätigkeit gut vorstellen. Mal sehen, was die nächste Zeit so bringt.

Was würdest du im deutschen Schwimmsport verändern?

Ich würde bei den Deutschen Meisterschaften ansetzen. Die muss man zu einer Show machen, zu einem Happening. Den Zuschauern muss etwas geboten werden. Das Interesse an unserem Sport muss wachsen, auch damit wir genügend Nachwuchs fördern können!
Andere Länder gehen mit gutem Beispiel voran. Dafür muss man nicht mal in die USA gehen. In Italien und Frankreich ist die Einstellung zum Schwimmsport auch schon eine ganz andere. Aber bei uns ist bei der DM einfach nur tote Hose.

Wie reagierst du auf Kritik von Menschen, die dir verschwenderischen Umgang mit deinem Talent vorwerfen?

Talent ist keine Verpflichtung. Je näher jemand am Leistungssport steht, desto besser versteht er meine Entscheidung. Ich bin solchen Kritikern bisher nicht persönlich begegnet, aber wenn, dann würde ich sagen: Trainiert mal eine Woche so, wie ich es über Jahre gemacht habe. Dann sehen wir weiter.
Außerdem habe ich ja vielleicht in anderen Sachen ein viel größeres Talent (lacht).

Markus Deibler
Photo Credits: HEAD

Das Schwimmen entsprach nicht mehr deinem gewünschten Lebensstil. Wie beschreibst das Leben, das du Leben willst?

Ich will Spaß am Leben haben und Zeit mit meinen Freunden, meiner Freundin verbringen.
Ich will nicht mehr fremdbestimmt leben, nicht mehr alles nur dem Training unterordnen. Der Job als Leistungssportler ist so komplex, das können sich die meisten gar nicht vorstellen. Du arbeitest 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Training, Regeneration, Ernährung – alles muss passen. Da gibt es kaum Zeit für anderes.

Gibt es trotzdem etwas, das du an deinem Sportlerleben vermisst?

Das Team am Olympiastützpunkt vermisse ich. Es war immer schön, wenn man sich im Trainingslager zusammen gequält hat. Sowas schweißt zusammen.

Wie viel Sport machst du zur Zeit?

Nach meinem Rücktritt habe ich zwei Monate gar nichts gemacht. Danach musste ich abtrainieren, damit sich mein Herz langsam an die geringere Belastung gewöhnt.
Ansonsten war ich innerhalb des letzten Jahres zweimal im Schwimmbad schwimmen. Aber ich merke, dass ich das nicht brauche. Ich mache mittlerweile wieder regelmäßig etwas, einfach um nicht aufzugehen wie ein Hefekloß. Aber eigentlich brauche ich im Alltag keinen Sport. Ich könnte auch einfach auf der Couch liegen.

Dein Bruder Steffen bereitet sich gerade auf die Olympischen Spiele in Rio vor. Wie erlebst du diese Vorbereitung?

Damit habe ich nicht viel zu tun. Das muss Steffen alleine mit seiner Trainerin meistern. Dass das Training bei ihm einfach weiterläuft, war am Anfang schon komisch mitzuerleben. Einfach, weil ich es mir für mich nicht mehr vorstellen konnte. Aber er hat weiterhin Bock drauf und arbeitet für Olympia 2016, das ist gut so!

Fliegst du mit nach Rio?

Nein. Ich werde hier bleiben. Olympia zu erleben ist großartig. Ich durfte zweimal in den Genuss kommen. Aber es ist einfach auch richtig teuer. Außerdem muss ich im Sommer arbeiten. Da haben wir in der Eisdiele schließlich Hochsaison.

Die Eisdiele ist ein gutes Stichwort. Nach deinem Karriereende hast du alles andere als faul auf der Couch gelegen. Du arbeitest seitdem Vollzeit in deiner Eisdiele. Wie kommt man auf die Idee eine Eisdiele zu eröffnen?

Selbstständigkeit hat mich schon immer fasziniert. Als Luisa, eine Freundin von mir, nach ihrem Studium in Italien zurückkam und von den großartigen Eisdielen dort schwärmte, wussten wir, dass wir solch gutes Eis hier in Deutschland nicht finden würden. Außer, man würde es selbst herstellen. Also haben wir ein Konzept entwickelt und uns selbstständig gemacht, um richtig leckeres Eis herzustellen. Wir verkaufen jeden Tag andere Sorten, so kommt man über die Jahre auf mehr als 400 verschiedene Eissorten.

Würdest du den Schritt in die Selbstständigkeit wieder wagen?

Aufjedenfall! Um Lebensmittel zu verkaufen, bedarf es zwar vieler Behördengänge und generell stößt man in der Selbstständigkeit auf viele Stolpersteinen. Wenn man sie aber aus dem Weg geräumt und seinen Teil daraus gelernt hat, macht es einfach nur eine Menge Spaß. Es gibt, wie überall Auf- und Ab’s und neue Herausforderungen die wir jeden Tag aufs Neue bewältigen müssen. Das ist spannend und faszinierend.

Was sind eure Pläne für das bevorstehende Jahr?

Wir sind gerade dabei, neue Räumlichkeiten für eine weitere Eisdiele zu suchen, denn das Geschäft läuft gut. Außerdem liefern wir unser Eis auch an Lebensmittelhändler. Diese zu akquirieren, bedarf viel Arbeit. Da wird einem nie langweilig.

Danke für deine Zeit und dass du uns Rede und Antwort gestanden hast.
Und auf dass noch einige Kugeln Lebensfreude sowohl in deiner neugewonnen Freizeit, als auch in Eurer Eisdiele dazukommen!